Autojahr 2017 Rückblick

Kurz vor Jahreswechsel bremsen wir uns wieder ein und schauen in den Rückspiegel. Hier lesen Sie, was die Branche bewegte, wer aufzeigte und für Gesprächsstoff sorgte.

Verlierer des Jahres

Dieselgate war nur der Anfang. Seit dem Bekanntwerden des Betrugs beim Stickoxidausstoß im Herbst 2015 steht der Selbstzünder im Dauerkreuzfeuer. In den letzten Monaten verschärfte sich die Diskussion um die Jahrhunderterfindung, die in Europa über Jahrzehnte den Antrieb im Automobil dominierte. Fakt ist, dass der Diesel als Schmutzfink schwer in Verruf geraten ist, es drohen Fahrverbote und Wertverluste. Es liegt was in der Luft: Die Debatten und Diskussionen um den Steuerbonus lassen die verunsicherten Kunden zunehmend vom Diesel abrücken und sorgen europaweit für eine Talfahrt des Volksmotors. Nahezu auf allen wichtigen Märkten stürzten in diesem Jahr die Dieselanteile bei den Neuzulassungen ab. Am schlimmsten am Schlüsselmarkt Deutschland, aber auch in Großbritannien, Frankreich und Spanien. Der traditionelle Dieselmarkt Österreich (Höchstwert 70 Prozent im Jahr 2004!) knickt ebenso ein und wird heuer unter 50 Prozent gehen. Auch wenn die Zukunft düster wirkt, will die Autoindustrie am Diesel festhalten – ohne die sparsame Technologie werden die von der EU geforderten Umweltziele nicht zu erreichen sein. Prognose: In den kleinen Fahrzeugsegmenten dürfte der Diesel wohl zügig verschwinden, in den schweren Klassen (SUV) dagegen wird der gescholtene Motor noch über eine weite Zeitspanne eine wesentliche Rolle spielen. Gar nicht zu reden vom Schwerverkehr oder der gewerblichen Nutzung, wo noch keine echte Alternative in Sicht ist.

FOTOLIA

Kopf des Jahres

Bei Renault stand er Carlos Ghosn im Weg. Was er kann, zeigt Carlos Tavares bei PSA. Der Portugiese sanierte Peugeot und Citroen, schnappte sich heuer Opel und ist jetzt in Europa Nummer zwei hinter VW.

APA/AFP/ERIC FEFERBERG (ERIC FEFERBERG)

Abschied des Jahres

25 Jahre lang war er bei Volkswagen das Gesetz: zuerst als Vorstandschef, dann als Boss des Aufsichtsrats und Aktionär. Jetzt ist Ferdinand Piëch endgültig weg und legte auch sein letztes Automandat nieder.

AP (Thomas Kienzle)

Aussteiger des Jahres

Er wollte Opel sanieren und wieder zur Blüte bringen. Knapp vor dem Ziel scheiterte Karl-Thomas Neumann doch: Als GM die Marke an den PSA-Konzern verkaufte, warf der Marathonläufer das Handtuch.

APA/AFP/ERIC FEFERBERG (ERIC FEFERBERG)

Ansage des Jahres

Im Sommer gab Volvo-Chef Håkan Samuelsson publikumswirksam die Abkehr vom Verbrennungsmotor bekannt. Ab 2019 soll jedes neue Modell von Volvo mit einem Elektromotor bestückt sein.

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Kämpfer des Jahres

Als Chef der Kernmarke hat er den härtesten Job bei Volkswagen. Und weil Herbert Diess zwischendurch in Wolfsburg zu heftig am Käfig rüttelte, wollte ihn der Betriebsrat heuer im Frühjahr loswerden. Und biss dabei auf Granit: Der Mann ist einfach zu gut, das wissen auch die Großaktionäre.

APA/AFP/ODD ANDERSEN (ODD ANDERSEN)

Durchstarter des Jahres

Er wird der neue Sterndeuter: Ola Källenius (48) läuft sich als Entwicklungsvorstand von Mercedes für die Zetsche-Nachfolge als Kopf von Daimler warm. Und das, obwohl der baumlange Schwede kein Ingenieur ist. Der Wechsel soll 2019 erfolgen, könnte aber auch schon früher passieren.

AP (Paul Sancya)

Racer des Jahres

Dieser Mann ist nicht zu stoppen: Stefan Pierer, Boss von KTM Industries, baut heuer 240.000 Bikes und fährt das siebente Rekordjahr in Folge ein. Jetzt ist KTM drauf und dran, der weltweit drittgrößte Motorradhersteller zu werden.

OLIVER WOLF

Blitzlicht des Jahres

Eine Villacherin zieht beim chinesischen Elektroauto-Start-up die Fäden: Die promovierte Betriebswirtin Angelika Sodian kam über Magna Steyr zu NIO und verantwortet neben der Vorausentwicklung auch das Formel-E-Team.

KK

Aufsteiger des Jahres

Bei Ford gibt es seit Mai einen neuen Boss: James Hackett (63) löste Mark Fields ab, in dessen Ära der Aktienkurs um 40 Prozent eingebrochen war. Hackett, als Sanierer bekannt, hatte zuvor die Ford-Tochter Smart Mobility geleitet.

FORD

Absteiger des Jahres

Unter Martin Winterkorn war Wolfgang Hatz der Motorenchef im VW-Konzern, 2011 wurde er Entwicklungsvorstand von Porsche. Jetzt holte ihn die Abgasaffäre ein: Seit September sitzt der Schwabe in Untersuchungshaft.

KK

Rekord des Jahres

Es ist das Auto, mit dem in Graz alles begann und das den Ruf als Detroit der Alpen begründete. Der legendäre Mercedes G, der seit 1979 montiert wird und zwischendurch schon vor dem Exodus stand, eilt seit 2012 von Rekord zu Rekord und fährt heuer mit 23.600 Stück eine neue Bestmarke ein. Und jetzt kommt der neue – die Weltpremiere steigt am 14. Jänner in Detroit.

DAIMLER

Deal des Jahres

Vor einem Jahr noch war es ein Gerücht, im März dann Realität: Der Opel-Verkauf von General Motors an den französischen PSA-Konzern für 2,2 Milliarden Euro könnte die Rettung für den notleidenden deutschen Traditionshersteller sein, der unter dem Dach der Amerikaner seit 2003 nur Verluste einfuhr. Der Umbau von Opel wird schmerzhaft, aber Opel bekommt eine neue Chance.

AP (Martin Meissner)

Überraschung des Jahres

Jetzt macht China also ernst und eine junge Marke mit dem Namen Lynk & Co den Anfang in Europa: Die Volvo-Konzernmutter Geely gab im Sommer bekannt, 2018 zunächst mit einem SUV zu starten. Der Lynk & Co 01 entstand in Zusammenarbeit mit Volvo, er soll mit Drei- und Vierzylinder-Benzinern, später auch als Plug-in-Hybrid und als reines Elektroauto lieferbar sein.

LYNK & CO
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