Tannengrün vertreibt Geister
Ein richtiger Christbaum muss ein Tannenbaum sein. Was den Schmuck angeht, so sind der Phantasie aber keine Grenzen gesetzt. Der Brauch ist allerdings sehr jung.

Foto © AP/MeyerHändisch bemahlter Christbaumschmuck ist besonders wertvoll
Ein Weihnachtsfest ohne Christbaum ist heute nicht mehr denkbar. Dabei handelt es sich bei der Gewohnheit, am Heiligen Abend eine geschmückte Tanne in die Wohnung zu stellen, um einen jungen Brauch. Erst um 1840 stand in Klagenfurt im Haus reicher Bürgerfrauen der erste Christbaum.
Siegeszug. "Weit früher war der Winter-Maien bekannt - und der musste ein Tannenzweig sein", sagt Heimo Schinnerl, Volkskundler und Direktor des Landwirtschaftlichen Museums Schloss Ehrental bei Klagenfurt. Bereits Sebastian Brant erwähnte in seinem berühmten Werk "Das Narrenschiff" 1494 "grünen Tannenreis". Bevor also das Tannenbäumchen seinen Siegeszug antrat, schmückte man das weihnachtliche Heim mit Tannenzweigen. "Dem Volksglauben nach verfingen sich darin die Dämonen", weiß Schinnerl. Das ist auch die Erklärung dafür, dass im Lavanttal früher der Christbaum oft an die Decke gehängt wurde.
Bäuerliche Strohsterne. Was den Christbaumschmuck angeht, so sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Eindrucksvoll dokumentiert wurde das 2003 in einer Ausstellung auf Schloss Wolfsberg, welche Sieglinde Talker aus Preitenegg, Bezirksbeauftragte der Landsmannschaft, zusammengestellt hat (siehe Fotos rechte Seite). Die ärmeren Leute schmückten den Baum mit Äpfeln, Nüssen, Scherenschnitten oder Papierrosen. Die Reichen konnten sich Seidenrosen leisten. In städtischen Kreisen durften Goldflitter und Zuckerwerk nicht fehlen. Heute wieder gefragt ist der bäuerliche Baum mit Strohsternen.
Seit 1880. Kerzen als Dekoration kamen ebenfalls erst im 19. Jahrhundert in Mode. "Bienenwachs war teuer", sagt Schinnerl. Doch mit der Entdeckung des Stearin, das - so Schinnerl - zu einem "vernünftigen Preis" zu haben war, konnten sich auch Ärmere ihr Weihnachtslicht leisten. Glaskugeln gibt es seit 1880, Lametta seit 1890. Heute ist es auch Brauch, auf Gräbern Christbäumchen aufzustellen.











