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Zuletzt aktualisiert: 27.12.2011 um 05:00 UhrKommentare

Umtausch-Rausch: Überstunden für das Christkind

Für den Handel ist die stille Zeit vorbei. Die Menschen verfallen dem Umtausch-Rausch oder lösen ihre Gutscheine ein. Die Geschäfte sind darauf vorbereitet.

Foto © MARIJA KANIZAJ

Die Hose ist zu kurz, der Pullover zu weit, die DVD steht schon zwei Mal im Regal und vor lauter Pflegeprodukten lässt sich der Spiegelschrank im Badezimmer nicht mehr schließen. Beim Schenken zeigt sich, dass das "Christkind" eben auch nur ein Mensch ist und Fehler macht. Dem Handel beschert es damit aber einen enormen Umsatz. Ähnlich wie vor dem Fest strömen die Menschen in die Geschäfte und tauschen Artikel nach ihren Wünschen um. Doch nicht nur das. "Auch Gutscheine werden in den letzten Jahren immer stärker gekauft, dazu beginnt auch der in den Medien beworbene Abverkauf", weiß Wolfgang Sauer, Bundesspartenobmann Stellvertreter für Handel in der Wirtschaftskammer.

Tauschen Sie Geschenke um?

Andreas Moitzi, Judenburg: Für mich kommt Umtauschen eigentlich nur infrage, wenn ich etwas doppelt bekomme. Weiterverkaufen würde ich aber nichts, es bleibt ja trotzdem ein Geschenk. Grundsätzlich habe ich mit kleinen, persönlichen Geschenken mehr Freude als mit teuren.

Brigitte Alber, Graz: Ich habe noch nie Geschenke umgetauscht. Da muss ich aber auch dazusagen, dass es eigentlich noch nicht vorgekommen ist, dass jemand wirklich ganz danebengegriffen hat. Wenn wirklich einmal etwas Unpassendes dabei ist, landet es daheim irgendwo in einem Kasten.

Helga Haingartner, Graz: Ich brauche nichts umtauschen, da ich mir von Haus aus nur Geschenkgutscheine wünsche. Damit habe ich die doppelte Freude: zuerst, wenn ich das Geschenk bekomme, und dann, wenn ich es irgendwo einlösen kann.

Franz Fischbacher, Graz: Etwas umzutauschen kommt bei mir eigentlich nicht infrage und auch so gut wie gar nicht vor. Allerdings bin ich auch kein Freund von Gutscheinen, so etwas schenke ich nicht und will es auch nicht geschenkt bekommen. Für mich ist wichtig, dass ein Geschenk einfach persönlich ist.

Die Geschäfte selbst bereiten sich dementsprechend vor. "Wir beginnen zeitiger in der Früh zu arbeiten und sind auch personell besser besetzt", erzählt Jessica Mallaschitz, Giga-Sport-Filialleiterin in Graz. "Schließlich kommen die meisten Leute sofort nach Weihnachten, um Unpassendes in der richtigen Größe zu bekommen."

Wunsch trifft Realität

Bei Palmers in der Grazer Murgasse wird Wiltrud Grün auch heute alleine hinter der Kassa stehen. "Es ist bewältigbar, aber viel los ist schon." Das liegt auch an Männern, die mit ihren Größeneinschätzungen vor Weihnachten an der Realität vorbeischrammen. "Manche kommen ins Geschäft, deuten auf ein Plakat mit einem jungen Model und sagen: So sieht meine Frau aus. Nur stellt sich das dann oft als Wunschdenken heraus." Also landen die beschenkten Damen erst wieder selbst im Geschäft.

Wer sich seine stille Zeit vom hektischen Einkaufsalltag nicht verderben lassen will, kann sich auch online um einen neuen Besitzer für seine Geschenke umsehen. Laut einer Studie des Auktionshauses eBay planen 500.000 Österreicher, unwillkommene Präsente wieder zu verkaufen.

THOMAS KUHELNIK, ANDREAS TERLER

Kommentar

BEATE PICHLERFeierabend von BEATE PICHLER

"Massive Preisnachlässe"

Peter Schnedlitz ist Professor an der WU Wien.

Wieso strömen die Menschen so kurz nach Weihnachten wieder in die Geschäfte?

PETER SCHNEDLITZ: Es treffen mehrere Aspekte zusammen. Die Menschen haben gelernt, dass es nach Weihnachten massive Preisnachlässe gibt. Viele geben dann das geschenkte Bargeld aus oder lösen Gutscheine ein. Und was oft vergessen wird: Viele Menschen haben zwischen Weihnachten und Neujahr frei und deshalb einfach Zeit dafür.

Inwieweit spielt das Umtauschen von missglückten Geschenken dabei eine Rolle?

SCHNEDLITZ: Der Umtausch geschieht meist recht schnell nach Weihnachten. Da kann schon einmal Nachweihnachtshektik entstehen. Doch man muss auch die Kirche im Dorf lassen. Im Regelfall werden nur zehn Prozent der gekauften Ware getauscht. Im Versandhandel sind es über 50 Prozent.

Ist das ein Verdienst von Gutscheinen?

SCHNEDLITZ: Gutscheine sind eben ein Mittelding zwischen dem Schenken von Bargeld und der Gefahr, etwas Falsches zu kaufen. Ich bin aber der Meinung, dass die Statistiken darüber, wie viele Gutscheine tatsächlich verkauft werden, übertreiben.

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