Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach, im Porträt
Franz Fischler, konflikterprobter Ex-Politiker, lässt in Alpbach frei denken.

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Die Szene, im tiefsten Andalusien, war gespenstisch. Eine Strohpuppe baumelte vom knorrigen Olivenbaum auf dem Dorfplatz - an einem Galgenstrick. Auf einem Taferl um den Hals gaben die zornigen Olivenbauern der Provinz Jaen dem Delinquenten einen Namen: "Fischler". Das bizarre Bild ging durch Spaniens Medien. Schließlich war Franz Fischler als EU-Kommissar dort einer der gehasstesten Männer.
Weil in der Olivenregion Jaen sogar Banken und Fonds mit Flächenaufkauf begannen, um die EU-Subventionsmaschine auszubeuten, setzte Fischler im heftigen Clinch mit der spanischen Agrarministerin Loyola de Palacio mit eiserner Hand fixe Länderquoten für Olivenöl durch.
Ähnlich rigoros verfuhr er in seiner zehnjährigen Amtszeit als EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung mit der Fischerei. Vor allem in Südeuropa, wo ihn viele für einen Deutschen hielten, verordnete er den Flotten hohe Abwrackquoten, um der Überfischung in Europas Meeren entgegenzutreten.
Nicht immer aber blieb er mit seinem Ehrgeiz, in der internationalen Agrarwelt seinen nachhaltig-reformerischen Tiroler Dickschädel durchzusetzen, erfolgreich. Bei der Wahl zum Chef der FAO, der der Ernährungs- und Agrarorganisation der UNO, fiel Fischler 2011 gegen den Brasilianer José Graziano da Silva durch.
In Absam wuchs Fischler mit fünf jüngeren Brüdern auf einem Kleinbauernhof auf, den er mit 14 mit der Oma bestellte. Dem Bodenkultur-Studium in Wien folgte eine steile Bauernbund-Karriere: Landwirtschaftskammerdirektor, Agrarminister, dann nach Brüssel. Als unbequemer ÖVP-Mann teilt er kräftig aus, wirft der Partei 2006 soziale Kälte vor. Als er 2008 Wolfgang Schüssel zum Rücktritt als Klubobmann aufforderte, rügte ihn Ursula Plassnik für "Sprüche von alternden Tiroler Buben". Jörg Haider und H. C. Strache las er heftig die Leviten.
In Alpbach war Fischler schon 2010 kantig. Als er dort mit Kroatiens Ex-Premier Ivo Sanader (den er später im Gefängnis besuchte) auftrat, kündigte ihn die Zagreber Regierung als Berater für den EU-Beitritt. Und auch 2012 ließ der glühende Europäer als Präsident des Forum Alpbach in Tirols Bergen frei denken.
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