Die launische Frau Fortuna
Alle streben nach Glück. Aber nur wenigen fällt es in den Schoß.
V on Peter Falk, der es als schrulliger Fernseh-Inspektor Columbo zu Weltruhm gebracht hat, gibt es ein Bonmot. Es geht so: Geld allein macht nicht unglücklich. Das bleibt auch dem oder den Gewinner(n) des gestrigen Euro-Millionen-Jackpots zu wünschen.
Das Glück, das ihnen widerfahren ist, ist ein Sonderfall des Lebens, der nur den wenigsten zuteil wird. Unfreiwillig kämen "neunzehn Zwanzigstel der Menschheit ohne Glück aus", erklärte der englische Philosoph und Ökonom John Stuart Mill (1806-1873). Er hielt es für unbestritten, dass es möglich sei, "ohne Glück auszukommen".
Das ist eine eher eigenwillige Vorstellung vom Glück. Alle Menschen streben nach Glück, hatte der griechische Philosoph Aristoteles zweieinhalbtausend Jahre vor Mill im fünften Jahrhundert vor Christus festgestellt. Aristoteles war es allerdings auch, der als einer der Ersten auf die Wandelbarkeit des Glücks hingewiesen hat. Jeder verstehe darunter "etwas anderes", meinte der Philosoph, "oft auch ein und derselbe Verschiedenes: wenn er krank ist, die Gesundheit, wenn er arm ist, den Reichtum".
Unzählig sind die Ideen, die sich die Menschen vom Glück gemacht haben. "Geh mir aus der Sonne", soll Diogenes Alexander dem Großen geantwortet haben, als der ihn fragte, womit er ihm dienen könne. Für den Aufklärer Immanuel Kant wiederum war "Glück Pflicht", Heinrich Heine hielt das Glück für "eine leichte Dirne" und in der "Fledermaus" von Johann Strauß trällert Alfred: "Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist."
Dass "Glück haben" und "glücklich sein" nicht zwingend dasselbe ist, wussten schon die alten Römer. Sie unterschieden zwischen "felicitas", dem Glück im Sinne eines erfüllten Lebens, und "fortuna", dem Schicksal.
Fortuna, der Göttin, soll schon der mythische römische König Servius Tullius zwei Tempel errichtet haben als Dank dafür, dass sie ihn, den Sohn einer Sklavin, auf den Thron hob.
Mit dem Füllhorn als Attribut ist sie uns bis heute erhalten geblieben, ab dem Mittelalter wird die wankelmütige Dame oft auch mit dem Glücksrad dargestellt. STEFAN WINKLER




















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