Was alles schon als Vorbild taugt
Die ÖVP legt mit den Kärntner Rauswürfen die Latte.
Die Kärntner ÖVP wird das nicht retten. Das Zurücktreten dreier hochrangiger Funktionäre wird nicht verhindern, dass die Volkspartei bei der nächsten Landtagswahl, wenn sie denn endlich kommt, hoffen muss, dass sie nicht aus dem Landtag fliegt. Wären zehn Prozent der Wählerstimmen oder ein Grundmandat noch Bedingung wieder einzuziehen, es bliebe nur mehr beten. Die Kärntner Schwarzen waren selten in ihrer Geschichte mehr als ein kleines Häufchen, jetzt sind sie ein Häufchen Elend.
Trotzdem ist die Kärntner ÖVP nicht der Sargnagel der Bundespartei. Im Gegenteil, dass der Lesachtaler Hotelier Gabriel Obernosterer unwirsch und konsequent drei Männer hinauswirft, die noch kein Staatsanwalt angeklagt, geschweige denn ein Richter verurteilt hat, damit ermöglicht er auch den Parteifreunden im Bund, Anwandlungen von Moral zu beweisen: Nicht nur Vertuscher, auch Mitwisser, Mitläufer, ja sogar Nichtwissenwoller haben bei uns in wichtigen Ämtern nichts verloren. Jagt sie hinfort! Anstand ist ein Wert aus Österreich.
Obwohl, auch in Wien hätte sich jeder, der bis zwölf zählen kann, längst ausrechnen können, dass an Birnbachers Millionenhonorar etwas faul war. ÖVP-Obmann Michael Spindelegger hielt seinen Kärntner Parteichef Josef Martinz viel zu lange - bis dieser vor Gericht zusammenbrach. Dafür lässt er jetzt mit dessen Sekretären kurzen Prozess machen.
Anderswo würde man über die Vorstellung der ÖVP urteilen: zu wenig, zu spät. In Österreich freut man sich: immerhin! Warum musste der deutsche Bundespräsident Christian Wulff schnell noch einmal zurücktreten? Weil er seinen Urlaub bei Freunden nicht bezahlt hatte? Oder war da noch mehr? Hierzulande schaffen es sogar Obernosterer und Spindelegger, ein Beispiel zu geben.
Man wartet gespannt darauf, was FPÖ-Bundesobmann Heinz-Christian Strache dem blauen Finanzreferenten Kärntens, Harald Dobernig, erzählen wird, sobald er aus dem Urlaub zurückgekehrt ist. Immerhin steht dieser unter dem Verdacht der versuchten Geldwäsche. Noch mehr freut man sich darauf, wie der SPÖ-Vorsitzende, Werner Faymann, seinem Kärntner Klubobmann Reinhart Rohr und seinem Linzer Stadtrat Johann Mayr die Leviten lesen wird. Auch diese beiden Amtsträger hat die Staatsanwaltschaft im Visier.
Herr Bundeskanzler, machen Sie den Obernosterer! Ups, die Inseraten-Affäre ist ja noch virulent. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Werner Faymann höchstpersönlich.
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