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    Ob jemand ohne TV und  Handy bereits arm ist? Es geht auf dem Balkan um mehr als nur ein Spiel Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Tribüne Nächster Artikel Ob jemand ohne TV und  Handy bereits arm ist? Es geht auf dem Balkan um mehr als nur ein Spiel
    Zuletzt aktualisiert: 28.05.2012 um 20:30 UhrKommentare

    Wenn Väter plötzlich zu Amokläufern werden

    Betretungsverbote nach Gewaltakt sind zu wenig.

    Natürlich wird sie jetzt wieder gestellt: die Frage, ob der Mord am achtjährigen Berk in der Volksschule St.Pölten-Wagram zu verhindern gewesen wäre. Ob das Kind noch leben könnte, wenn. . . Ja, diese Frage nach dem "wenn" wird immer gestellt - nach jeder grauenhaften Kindesmisshandlung, nach jeder Gewalttat. Weil da jeder den ohnmächtigen Wunsch fühlt, im Nachhinein ein Kind noch schützen zu wollen.

    Könnte das Kind noch leben, wenn die Gesetzeslage eine andere gewesen wäre? Wenn mit dem Betretungsverbot der Wohnung, das gegen den Vater aufgrund von Gewalttätigkeit ausgesprochen worden war, automatisch ein Kontaktverbot zu seinen Kindern verbunden gewesen wäre? Und sofort Institutionen wie Schulen informiert worden wären und ein Kontaktverbot nicht erst bei Gericht beantragt werden müsste? Ein Verfahren, das Zeit kostet. Zeit, die bei emotionalen Eskalationsprozessen oft nicht zur Verfügung steht.

    Eine Gesetzeslücke, die geschlossen werden muss, wie die Grünen nun vermuten? Natürlich ist es eine Lücke, wenn ein tobender Vater nur aus einer Wohnung weggewiesen wird und sich dann keiner mehr um ihn kümmert. Natürlich sollte der Schutz der Kinder vor jedem Datenschutz stehen und es müssten alle Institutionen informiert werden.

    Ob eine Novellierung des Gesetzes, die die Grünen nun beantragen, beitragen kann, eine grauenvolle Tat wie jene in St. Pölten-Wagram zu verhindern? Kaum. Es wäre aber zumindest ein weiteres Sicherheitsnetz, wenn Schulen, Kindergärten informiert würden.

    In gleicher Weise notwendig wäre aber auch ein anderes Sicherheitsnetz für Kinder: die Betreuung des Gewalttäters, der durch die Wegweisung, durch ein Kontaktverbot oft erst in jene Spirale der Aussichtslosigkeit kommt, die zu Kurzschlusshandlungen führt. Oder wie es eine Krisenpsychologin nüchtern ausdrückte: "Man will den Mann möglichst schnell weghaben, aber die Bombe tickt weiter."

    Eine Gesetzesnovelle für die derzeit 8000 Wegweisungen im Jahr wird nicht ausreichen, wenn nicht gleichzeitig eine andere Frage einbezogen wird: wie Gewalttäter, wie Zeitbomben entschärft werden können. Wie der Kreislauf der Rache, der sich in solchen Familientragödien abspielt, zu stoppen ist.

    Kontakt- und Betretungsverbote sind zu wenig. Zu wenig für den Schutz von Kindern. Zu wenig, um überforderte, schwache, zu Gewalt neigende Menschen, denen oft jede Widerstandsfähigkeit gegen narzisstische Kränkungen fehlt, zu entschärfen.

    Sie erreichen die Autorin unter

    carina.kerschbaumer@kleinezeitung.at

    CARINA KERSCHBAUMER

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