Zu einem schlechten Geschäft gehören zwei
Die Facebook-Farce zeigt ein Unsitten-Bild der Börse.
Gefällt mir nicht", sagen jetzt alle. Das ist kein Wunder: In der ersten Handelswoche der Facebook-Aktie hat Mark Zuckerberg ihnen vorgeführt, wie man aus 38 Dollar 32 Dollar macht. Das nehmen sogar jene Anleger übel, die sich im Internet "Freunde" nennen.
Der fragwürdige Facebook-Börsegang wirft ein umfassendes Schlaglicht auf die Gesetze der Finanzwelt. Wir sehen, dass der Wert eines Unternehmens heute nicht so sehr von der Güte seines Geschäftsmodells abhängt, sondern vom Marketing-Feldzug der jeweils interessierten Kreise. Im Fall "FB" waren das die Altaktionäre und die den Börsegang begleitenden Banken. Sie haben prächtig am schönen Schein verdient.
Natürlich kann man eine Kursentwicklung nicht vernünftig nach ein paar Handelstagen bewerten. Ob der Markt Zutrauen zum sozialen Netzwerk fasst, wird sich mittel- und langfristig weisen. Doch dem Zufall, dass es in der ersten Woche abwärtsging, die Ausgabepreise also sehr hoch angesetzt waren, wurde kräftig nachgeholfen. Als kurz vor dem Börsestart trübe Marktaussichten bekannt wurden, warnte man nur die institutionellen Anleger, während man private Kleinaktionäre dumm sterben ließ. "Muppets" heißen in Banker-Kreisen jene ahnungslosen Amateure, die im großen Börse-Casino für fehlende Marktinformation mit barem Geld bezahlen.
Doch zu einem schlechten Geschäft gehören immer zwei. Hinter jedem gewissenlosen Broker steht ein gieriger Käufer, der auch im Jahr vier nach der Finanzkrise 2008 noch immer an die schnelle Rendite aus dem Nichts glaubt. Die Facebook-Aktienkäufer, die jetzt über Verluste klagen, müssen sich schon fragen lassen, wie sorgfältig sie sich mit dem Geschäftsmodell der Gesichts-Buchhalter befasst haben.
Andererseits kann man es den enttäuschten Freunden nicht verübeln: Eine kleine Gruppe, die sich für eine Finanzelite hält, zeigt ihnen noch immer täglich vor, dass man ungeniert und unbehelligt mit Finanz-Alchemie reich werden kann. Die Politik in allen Staaten der Erde war bisher zu kraftlos, um dem wüsten Treiben Einhalt zu gebieten.
Der Vorwurf, Zuckerberg und seine Helfer hätten aus den vorangegangenen Crashs "nichts gelernt", geht indes ins Leere. Was hätten sie denn lernen sollen? Dass man nach wie vor prächtig an der Börse verdient, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man hat, was man braucht? Das haben sie fraglos verinnerlicht. Der Krug geht auch künftig so lange zum Brunnen - und an die Börse -, bis er bricht.
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