Von einem, der vital resigniert
Der große bayrische Kabarettist Gerhard Polt wird heute 70 Jahre alt.
Wenn er jemanden begrüßt, der Gerhard Polt, dann sagt er sehr gern einfach nur "Respekt". Und er sagt es immer sehr bayrisch - "Reschpekt". Weil er eben einer ist, so ein richtiger Bayer, ein gestandener, ein gewachsener, doch dem Bayrischen zum Trotz ist er ein überzeugter Kosmopolit.
Heute feiert der Kabarettist, der Menschen-Beobachter, der Sprachakrobat und Humorist, den sie nicht nur in Bayern längst auf eine Stufe stellen mit dem großen Karl Valentin, seinen 70. Geburtstag. So wie die Punkband "Die Toten Hosen" gerade ihr 30-jähriges Bandjubiläum feiert.
Was das miteinander zu tun hat? Einiges, denn Polt wirkte nicht nur im Jahr 1990 auf einem Album der Hosen mit, 2005 ging er sogar gemeinsam mit ihnen und der Biermösl Blosn auf eine ausgedehnte Tournee. Weil sich Gegensätze anziehen? "Nein", sagt Polt, "weil sich die gleiche politische Gesinnung anzieht".
Polt, der in München politische Wissenschaften, Geschichte und Kunstgeschichte und in Göteborg Skandinavistik und Altgermanisch studierte, entlarvt das Bürger- und das Spießbürgertum wie kaum einer sonst. Unvergesslich, wie er in die Rolle eines scheinbar ganz normalen Zeitgenossen schlüpft, der sich eine Asiatin aus dem Katalog bestellt. Unvergesslich, wie er bereits Ende der 1970er gemeinsam mit Gisela Schneeberger in "Fast wia im richtigen Leben" Fernsehgeschichte schreibt. Unvergesslich, wie er im Kinofilm "Man spricht deutsh" den typischen deutschen Urlauber karikiert.
Polt selbst sagt über sich: "Ich erhebe keinen Anspruch auf Wahrheit. Meine Beobachtungen beruhen allenfalls auf abgesicherten Ahnungen." Und jetzt, zum Runden, wie geht es ihm da? "Ich resigniere. Aber vital."
Man wird Polt hoffentlich noch lange sehen auf der Bühne, im Film und im Fernsehen. Auch wenn ihm "Die Toten Hosen" das wünschen, was er sich angeblich selbst am meisten wünscht: "Mehr Zeit für das Gasthaus."
Anlässlich des Geburtstages erschien heuer die "Gerhard Polt Bibliothek - gesammelte Werke in zehn Bänden". Und auch die Kleine Zeitung schließt sich den Gratulationen an: Reschpekt.
ACHIM SCHNEYDER





















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