Zuviel versprochen
Genau heute vor einem Jahr ist Michael Spindelegger mit zwei Jobs betraut worden, die ihm offensichtlich über den Kopf gewachsen sind. Seit präzis zwölf Monaten strampelt er sich als neuer ÖVP-Bundesobmann und Vizekanzler dieser Republik ab und wirkt von Tag zu Tag hilfloser, mehr damit überfordert, der Partei wieder auf die Beine zu helfen.
Sein saft- und kraftloser Eindruck, der in den meisten, hinter vorgehaltener Hand geführten politischen Gesprächen längst Standardthema geworden ist, manifestiert sich jetzt in einem dramatischen Absturz. In der Rangliste der ÖVP-Politiker mit dem meisten Vertrauen ist der 52-jährige Niederösterreicher vom zweiten auf den elften Rang hinunter gekracht.
Freilich wird damit der Obmann auch dafür bestraft, dass die ÖVP im Korruptions-Untersuchungsausschuss x-fach aufgeblattelt worden ist, beim Handaufhalten, beim Einstreifen dubioser Gelder besonders eifrig gewesen zu sein. Jetzt rächte es sich doppelt für Spindelegger, dass ausgerechnet er mit der Botschaft angetreten war, das Vertrauen in die ÖVP und deren Anständigkeit wieder herzustellen.
WOLFGANG SIMONITSCH




















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