Assad ist fast am Ende, das Drama geht aber weiter
Syriens Despot hat vom Iran gelernt, Zeit zu schinden.
Kofi Annan, als UN-Botschafter für Syrien gezwungenermaßen ein Zweckoptimist, hat seinen Sechs-Punkte-Plan als einen Anfang zur Regelung des Syrien-Konflikts bezeichnet. Jetzt, da dieser Plan und die damit verbundene Waffenruhe seit 24 Stunden in Kraft sein sollten, ist klar: Er ist nicht ein Anfang, sondern das Ende der Bemühungen. In den Kampfgebieten wird weiter geschossen und weiter gemordet.
Bashir al-Assad hat den von ihm offiziell akzeptierten Befriedungsplan nie als das wahrgenommen, was er sein sollte: als eine Chance, die syrische Tragödie nicht so weit eskalieren zu lassen, dass sein Land in den Bürgerkrieg abrutscht.
Assad setzt nach wie vor auf Zeit. Aus seiner Sicht ist das durchaus nachvollziehbar. Er hat nicht mehr viel zu verlieren. Er kämpft mit dem Rücken zur Wand. Aber in Syrien gibt es - im Gegensatz etwa zur Endphase seines langjährigen Weggefährten Muammar al-Gaddafi - keine "befreiten Zonen", von denen aus seine Widersacher Nachschub und Vormarsch organisieren können. Die Oppositionellen kämpfen zwar in etlichen Teilen syrischer Städte erbittert gegen Armee und Geheimdienst. Aber das reicht nicht für einen koordinierten Kampf gegen das Regime.
Assad hat von seinen Verbündeten im Iran gelernt, die Meister des an der Nase umher Führens sind. Seit Jahren häkeln die Mullahs in Teheran alle Welt mit ihrem Atomprogramm. Nur, dass Russland und China, seine bisher treuen Partner im Uno-Sicherheitsrat, langsam die Geduld verlieren, ist für das Assad Regime unangenehm.
Andererseits: Was will den wer tun, wenn der syrische Despot weiter macht, wie bisher? Ein internationales Eingreifen, wie zuletzt in Libyen, das die syrischen Rebellen so herbei sehnen, zeichnet sich nicht ab. Noch hat Assads Armee Panzer, Geschütze und Flugzeuge genug, um den Aufstand halbwegs unter Kontrolle halten zu können. Und dass Saudi-Arabien und die Golfstaaten die Aufständischen hochrüsten wollen, ist nur eine mittelfristige Gefahr für den Fortbestand seiner Gewaltherrschaft.
Wie selbstbewusst Assad nach wie vor ist, zeigt die Tatsache, dass er mittlerweile sogar ungeniert und rücksichtlos syrische Flüchtlinge auf türkischem Gebiet beschießen lässt. Er spekuliert mit der berechtigten Angst der Türken vor einem nahöstlichen Flächenbrand, sollte Ankara militärisch zurück schlagen.
Alle Welt weiß, dass Assad und sein Regime am Ende sind. Aber bis zum Schlussakt dieser Tragödie wird es leider noch dauern.
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