Für Mutige
Das Wehklagen war groß, als die Ratingagentur Standard & Poor's Österreich im Jänner seine Triple-A-Bonität entzog. Zu Recht wurde der katastrophale Zustand des Budgets beklagt und es wurden Reformen eingemahnt. In einem aber irrten sich die Kritiker: Die Zinsen für neue Schulden der Republik haben sich nach der Herabstufung nicht verteuert. Im Gegenteil: Statt 3,4 Prozent im Jänner muss unser Staat für zehnjährige Anleihen heute nur 2,8 Prozent Zinsen zahlen. Der Zinsabstand zu Deutschland (eine wichtige Maßzahl) hat sich beinahe halbiert.
Woran liegt das? Leider nicht daran, dass sich unser Staatshaushalt verbessert hat. Die "Fundamentaldaten", also die Fakten, sind unverändert schlecht. Aber wie bei jeder Preisbildung spielt auch die Psychologie eine Rolle.
Offenbar vertraut der Markt den Sparankündigungen der Regierung. Wäre man boshaft, könnte man das als Beleg für die Irrationalität des Marktes deuten. Wir aber wollen milde schweigen. Wer übrigens wirklich dem Geldsystem vertraut, der kann das nächste Woche beweisen: Da legt der Euro-Rettungsschirm EFSF eine Anleihe mit 30 Jahren Laufzeit auf. Für Mutige! ERNST SITTINGER




















ZZ:



