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Zuletzt aktualisiert: 13.01.2012 um 20:30 UhrKommentare

Das "Gewissen des guten Österreich"

Osteuropa-Expertin Barbara Coudenhove-Kalergi wird morgen 80 Jahre alt.

Es war wie im Traum. Still. Die Leute sind wie benommen über die Grenze gegangen." Barbara Coudenhove-Kalergi war dabei, als am 9. November 1989 in Berlin die Mauer fiel. Wenn sie davon erzählt, verblassen die omnipräsenten Jubelbilder von der Öffnung des Eisernen Vorhangs. Die entstanden ja auch erst später. Am Anfang war Fassungslosigkeit. Dann: Stunden, Tage, Wochen, Monate der Berichterstattung, Begleitung, Analyse.

Spätestens damals wurde Barbara Coudenhove-Kalergi zur Bildschirm-Ikone, die dem staunenden Österreich die unglaublichen politischen Veränderungen in Osteuropa übersetzte und erklärte. Coudenhove-Kalergi, die sich noch heute für die politische Unabhängigkeit des ORF engagiert, hat selbst immer öffentlich-rechtliches Fernsehen im besten Sinn gemacht - präzise Information und scharfsichtige Analyse, sauber getrennt. Ihre Berichterstattung hat zur politischen Bildung von mehr als einer Generation beigetragen. Seit 1975 im ORF, war Osteuropa seit jeher ihr Fachgebiet. Nicht von ungefähr. Als Tochter eines böhmischen Grafen in Prag geboren, musste sie ihre Heimat 1945 verlassen. Als Journalistin arbeitete sie unter anderem für "Presse", "Kurier", "profil", ehe sie beim ORF andockte und zu einer der ersten Frauen wurde, die im TV prominent über Politik berichteten.

Ab 1991 kehrte sie im Auftrag des Senders in ihr Geburtsland zurück und war bis 1995 ORF-Korrespondentin in Prag. Dort zeichnet sie der unlängst verstorbene tschechische Staatspräsident Václav Havel 2001 mit dem Masaryk-Orden aus - in Würdigung ihrer "besonderen Verdienste um Demokratie und Menschenrechte". Für die kämpft Barbara Coudenhove-Kalergi, aufgrund ihrer Ehe mit dem KP-Funktionär Franz Marek einst mit dem Kosenamen "die rote Gräfin" versehen, noch heute; etwa als Gründerin der Bürgerinitiative "Land der Menschen". Sie sei "das Gewissen des guten Österreich", sagte ihr langjähriger Chef Paul Lendvai einmal über sie. Ihre Selbstbeschreibung fällt vergleichsweise lakonisch aus: "Ich bin in der Wirtschaft eine Linke, in der Politik eine Liberale, in der Kunst eine Konservative." UTE BAUMHACKL


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