Sabine Ladstätter, "Wissenschafterin des Jahres 2011", im Porträt
Die starke Frau von Ephesos wurde 2011 zur "Wissenschafterin des Jahres" gekürt.

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Erst Ende 2011 beklagte der BZÖ-Nationalratsabgeordnete Ernest Windholz eine eklatante "Steuergeldverschwendung" in Ephesos und nährte damit einen Vorbehalt, der auch unter seriösen Archäologen anzutreffen ist. Die Millionenbeträge, die jährlich in die Türkei fließen, seien bei heimischen Ausgrabungen weit besser angelegt, ist oft zu hören.
Sabine Ladstätter hat derlei Kritik nur stärker gemacht. Als sie 2007 mit der Grabungsleitung an der asiatischen Ägäisküste betraut werden sollte, musste die gebürtige Klagenfurterin erst den türkischen Kulturminister von ihren Fähigkeiten und ihrer untadeligen Weltanschauung überzeugen. Intrigante "Zweit- und Drittgereihte" hatten sie nämlich zu vernadern versucht und die deutschnationale Gesinnung ihres Vaters Fritz Schretter, Obmann des Kärntner Abwehrkämpferbundes, ins Spiel gebracht.
Dabei hatte Ladstätter, die seit einem Volksschul-Ausflug auf den Magdalensberg Archäologin werden wollte, bereits als Studentin die slawischen Wurzeln ihres Heimatlandes erforschte, ein Tabubruch, der ihr "erhebliche Schwierigkeiten" bescherte. Sabine Ladstätter leitet neben den Grabungen in Ephesos auch das Österreichische Archäologische Institut, übrigens als erste Frau, und blickt mit einiger Gelassenheit auf so manche (männliche) Umtriebe herab. Die Wahl zur "Wissenschafterin des Jahres 2011", getroffen von unabhängigen Bildungsjournalisten, dürfte sie in dieser Haltung bestärken.
"Ich möchte mich, wenn man mir die Chance gibt, die nächsten zehn bis 15 Jahre ausschließlich Ephesos widmen", sagt die Mutter einer sechsjährigen Tochter über ihre berufliche "Lebensaufgabe". Ihr Mann, ebenfalls vom Fach, hilft ihr dabei.
Außerdem gilt es für die begeisterte Bergsteigerin neben einer 100-jährigen rot-weiß-roten Grabungstradition auch eine feministische Fahne hoch zu halten. Von den Amazonen gegründet war Ephesos immer schon eine Stadt der starken Frauen: dank Artemis, die eines der "7 Weltwunder" bewohnte, und der Muttergottes, die hier ihre letzten Tage verbracht haben soll. ERWIN HIRTENFELDER
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