Der brennende Hut, der die halbe Welt kalt lässt
Den Klimaverhandlungen in Durban droht ein Fiasko.
Stell dir vor, du versuchst die Welt zu retten, und niemanden interessiert's. Seit zwölf Tagen verhandeln im südafrikanischen Durban Vertreter aus allen Staaten der Erde die Zukunft des internationalen Klimaschutzes. Der Scheinwerferkegel öffentlicher Aufmerksamkeit aber, der ruht anderswo. Derzeit bestrahlt er jene, die in Brüssel über die Eurorettung entscheiden. Durban und Brüssel - an beiden Orten brennt der Hut. Doch die Flammen in Südafrika scheinen weniger hell zu lodern. Der Klima-Hut wirkt abgegriffener, ramponierter und älter.
In gewissem Sinne ist er das auch. Nicht dass die Risiken der Erderwärmung gesunken wären. Im Gegenteil. Die jüngste Forschung belegt, dass Ausmaß und Auswirkungen des Klimawandels bislang unterschätzt wurden. Doch das allzu grelle Untergangsgeschrei der vergangenen Jahre hat letztlich mit dazu beigetragen, dass die Pflanze des allgemeinen Inter-esses zu verwelken droht. Wer jedes Jahr hört, dass das Ende naht, nimmt das irgendwann schulterzuckend hin. Da mag es mehr denn je zutreffen, dass der Klimawandel die Menschheit vor die größte Herausforderung ihrer Geschichte stellt. Endzeitszenarien taugen nicht als Überzeugungsmittel - vor allem dann nicht, wenn man sie sich vom immer noch komfortablen Beobachterposten der westlichen Industrienationen aus zu Gemüte führen kann.
So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass sich die Verhandlungsteams in Durban seit Tagen blockieren. Die großen Treibhausgasemittenten haben zurzeit vermeintlich wichtigere Sorgen, als sich mit grünen Fonds und teuren Emissionsrechten herumzuschlagen. Da nimmt man eben hin, dass Brasilien dabei ist, die Schutzbestimmungen für seine Tropenwälder zu lockern, China neue Kohlekraftwerke baut und Kanada plant, vorzeitig den Kyotovertrag zu kündigen. Die USA verharren zu all der Begleitmusik in apathischer Bewegungslosigkeit. Von einem neuen Klimavertrag wagt angesichts dessen ohnedies niemand mehr zu träumen.
So steuert die Welt nach Jahren internationaler Verpflichtungen beim Klimaschutz auf eine Phase der Freiwilligkeit zu. Wie gut das funktionieren wird, lässt sich erahnen. Die Erfahrungen zeigen: Solange es nichts kostet, die Atmosphäre zu nutzen und CO2 zu emittieren, lohnt es sich kaum, über Ökoenergien und andere Klimaschutzmaßnahmen nachzudenken. Um einen anderen Weg zu gehen, müssten zumindest die großen Staaten an einem Strang ziehen.
Zugegeben, dieser Hut mag alt sein. Dummerweise haben wir aber nur den einen.
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