Die nebulose Uni-Politik muss ein Ende finden
Hochschulen verdienen Besseres als 68er-Slogans.
Es gehen wahrlich unübliche Dinge vor an den Universitäten: Der Kampf um mehr Mittel wird via Höchstgerichte und Schlichtungskommissionen geführt statt auf den Straßen - und Teilerfolge werden sichtbar. Jetzt hat die Wirtschafts-Uni quasi schriftlich, dass ihr der Staat weit mehr an Leistung zumutet, als er bereit ist zu zahlen.
Die Urteile zeigen auf: Je blumiger die Sonntagsreden zum Thema Bildung sind, umso nebuloser und verworrener ist die konkrete Politik. Studiengebühren werden überfallsartig - und planlos - abgeschafft, die stete Steigerung der Studierendenzahlen mit sinkenden Budgets beantwortet.
Zwar kann sich der WU-Rektor jetzt über ein paar Millionen Euro mehr freuen, aber es ist nur ein kleiner Geländegewinn. Die besten Urteile nützen allerdings wenig, wenn sich an drei Stellen nichts bewegt.
Zum einen ist der Ressortminister Karlheinz Töchterle nicht in der Lage, seiner Ministerkollegin Maria Fekter definitiv mehr Geld zu entlocken. Das mag mit seinen fehlenden Wurzeln in der ÖVP, seinem noblen Auftreten oder dem Rand-Thema Wissenschaft insgesamt zu tun haben. Wenn Seniorenvertreter oder Beamtenvertreter mit der Regierung Tacheles reden, ist Töchterle nicht einmal als Kiebitz dabei. Auch sein neuer Hochschulplan wird da nicht viel ändern.
Zweitens sperrt sich die Hochschülerschaft gegen die Studienbewirtschaftung. Kaum anzunehmen, dass sie so jene Tausenden Studenten vertritt, die in Massenfächern übereinander sitzen. Es ist zwar klar, dass die ÖH gegen Studiengebühren ist; hilfreicher wäre aber ein kühler Abtausch Gebühren gegen ein gutes Stipendiensystem.
Fataler noch ist die Bewegungslosigkeit der linken und grünen Reichsteile. Sollen die Studierenden irgendwie und betreuungslos durchs Studium strampeln; Geld gibt es keines dafür, Bedingungen auch nicht. Das sind keine Modelle, die zu guter Ausbildung führen, sondern Rattenfänger-Methoden. Es sind 1968er-Slogans, jenseits der heutigen Realität.
Mag sein, dass die heutige Politikerkaste damals bei gemütlichen Sit-Ins sozialisiert wurde. Heute gilt der globale Wettbewerb. War vor 40 Jahren hinter Wien und Frankfurt die Welt schon zu Ende, gehen Studenten heute ins Ausland. Abschlussarbeiten sind wesentlich aufwendiger (auch in der Betreuung) als früher. Und - anders als in den Boom-Jahren - herrscht heute heftige Job-Konkurrenz.
Unis und Studierende haben darauf reagiert. Jetzt müssen auch Politik und Studentenvertretung das kapieren.
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