Mond anbellen
Einige unserer Regierungspolitiker hatten sich das so schön vorgestellt: Nach dem Loipersdorfer Sparpaket sollte der Bürger bis zum Wahltag - Ende 2012 oder 2013 - von neuen Grauslichkeiten verschont werden. Statt die notwendigen Reformen, die seit Jahren in den Schubladen verstauben, anzupacken, ging man lieber auf Kuschelkurs mit dem einfachen Mann von der Straße.
Irgendwie würde man schon bis zu den Wahlen 2012/2013 über die Runden kommen, so das Kalkül. Als immerwährende Insel der Seligen würde Österreich ohnehin nicht von der bösen Schuldenkrise erfasst werden.
Blöd gelaufen, die Rechnung geht nicht auf.
Statt auf Brot und Spiele zu setzen, müssen der Kanzler und sein Koalitionspartner jetzt ein neues Sparpaket schnüren. Hätte man im ab-gelaufenen Jahr die Ärmel aufgekrempelt, statt in Untätigkeit zu verharren, wäre der Regierung der bevorstehende Kraftakt erspart geblieben.
Auf die bösen Ratingagenturen zu schimpfen, mag populär sein, hilft aber der Regierung keinen Millimeter weiter. Was kümmert's den Mond, wenn ihn die Hunde anbellen? MICHAEL JUNGWIRTH






















