Mariano Rajoy (56), spanischer Politiker, im Porträt
Krisenfester Politikallrounder: Mariano Rajoy (56) dürfte Sonntag neuer spanischer Premier werden.

Foto © APAMariano Rajoy
Mariano Rajoy muss derzeit ein Deja-Vu-Erlebnis haben. Bereits 2004 lag er vor spanischen Parlamentswahlen deutlich in Führung und galt als designierter Premier. Dann aber machten ihm die Terroranschläge vom 11. März und das verfehlte Krisenmanagement seiner, damals noch regierenden, konservativen Volkspartei einen Strich durch die Rechnung. Es folgten acht Jahre in der Opposition. Diesmal dürfte es aber klappen, ohne dass er groß etwas dazu beitragen muss.
Denn nach zwei Legislaturperioden, an deren Ende die Wirtschaftskrise und eine Arbeitslosigkeit von knapp 23 Prozent stehen, dürften die Sozialisten laut Umfragen mit nassen Fetzen vertrieben werden. Die Wut viele Anhänger ist groß. So groß, dass sich Rajoy im Wahlkampf nicht sehr anstrengen muss, um einen epochalen Sieg einzufahren.
Dabei hält sich Rajoy mit Ankündigungen oder Versprechen auffallend zurück. Er gibt wenig Interviews, Pressekonferenzen hält er überhaupt nicht ab. Offenbar ist er darauf aus, die Umfrageergebnisse ohne viel Staub aufzuwirbeln ins Trockene zu bringen. Das kommt ihm gelegen, denn ein Kommunikationsgenie war er nie, eher der Schrecken aller Imageberater. Auch sie konnten dem trockenen Galicier die Aura eines Katasterbeamten, der er einmal war, nicht austreiben.
Doch kann er politische Erfahrung als krisenfester Partei-Allrounder aufweisen. 1996 organisierte er den Wahlkampf seines politischen Ziehvaters José María Aznar, der ihn nach dem Wahlsieg mit dem Amt des Kultur- und Bildungsministers belohnte. Rajoy wurde dann Leiter des Präsidialamtes, später Innenminister und Regierungssprecher. 2000 wurde er auch gleichzeitig stellvertretender Ministerpräsident.
Damals badete Rajoy, der seit einem Unfall einen Bart trägt, um die Narben zu verdecken, für Aznar alle unpopulären Entscheidungen aus. Seine einstige Bissigkeit ist nicht mehr vonnöten. Spanien ist so verunsichert, dass Rajoy den größten Wahlsieg in der spanischen Demokratie einfahren wird. Dabei ist ihm Kontrahent Alfredo Pérez Rubalcaba charismatisch voraus. Er hat aber das schwere Erbe seiner Partei zu tragen. EDGAR SCHÜTZ



















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