Behörden gehen sorglos mit unseren Daten um
Private Daten kugeln ungeschützt im Internet herum.
Man sollte die Internet-Rebellen von Anonymous weder verteufeln noch glorifizieren. Man sollte ihre Arbeit aber ernst nehmen. Mit ihrem Aktionismus legen sie die Passivität vieler Behörden im Umgang mit unseren Daten offen. Schonungslos offen. Das vermeintliche Totschlagargument in der Datenschutz-Debatte - "I hab ja nix zu verbergen" - geht dadurch völlig ins Leere. Es ist auch so etwas wie ein Vertrauensgrundsatz, dass etwa persönliche Daten, die bei Behörden gespeichert sind, nicht so ohne Weiteres in fremde Hände gelangen können.
Der Vergleich mit dem leider oftmals allzu freigiebigen Umgang mit persönlichen Daten in sozialen Netzwerken wie Facebook greift zu kurz. Vor allem deshalb, weil man hier den mächtigsten Datenschützer überhaupt auf den Plan rufen kann: Sich selbst.
Im Fall der aktuellen Anonymous-Serie sind wir aber alle zum Zuschauen verdammt, wir sind davon abhängig, dass Behörden und Institutionen die ihnen anvertrauten Daten bestmöglich schützen. Eine gefährliche Abhängigkeit, wie sich zeigt. Denn allem Anschein nach, sind diese Einrichtungen vielfach nicht dazu fähig.
Umso schlimmer, dass die Hacker von Anonymous nicht einmal in die "Werkzeugkiste" greifen müssen. Viele Daten sind nichts anderes als Fundstücke, die ohne einen kriminellen Einbruch in ein Netzwerk, ungesichert in den Weiten des World Wide Web herumkugeln. Absolute Datensicherheit wird es nie geben, für Fahrlässigkeiten darf es aber keinen Platz geben. Kriminellen wird es viel zu einfach gemacht. Damit steigt die Unsicherheit. Wenn Polizeidaten, Kontodaten von ORF-Gebührenzahlern, Daten von Parteien und sogar Daten von Krankenversicherten ohne größeren Aufwand hunderttausendfach in die Fänge solcher Organisationen geraten, brennt der sprichwörtliche Hut.
Derzeit wird an Projekten wie der elektronischen Vorratsdatenspeicherung und der elektronischen Gesundheitsakte gearbeitet. Über misstrauische Stimmen braucht sich im Lichte der jüngsten Entwicklungen kein politischer Entscheidungsträger zu wundern.
Rund 200 Datenregister, so die Schätzung von Experten, gibt es in Österreich. Im Schnitt ist jeder von uns in etwa 100 davon erfasst. Melde- und Personenstandsdaten, Arbeits-, Finanz- und Gesundheitsdaten - die Liste ist lang. Und bedrohlich. Die Aktionen von Anonymous sind nicht gutzuheißen. Doch mindestens so problematisch wie der Daten-Dieb ist das behördliche Daten-Sieb. Danach ist ebenso fieberhaft zu fahnden.
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