Das kuriose Wettrennen der Rebellen-Freunde
Sarkozy, Cameron und Erdogan fast zeitgleich in Libyen.
Noch sterben Rebellen und die Schergen von Muammar al-Gaddafi im Kampf um die letzten Bastionen des gestürzten Diktators und noch verhöhnt dieser von einem Versteck aus seine Gegner. Vor allem aber: Noch weiß niemand, ob die Libyer es tatsächlich schaffen werden, die menschlichen, politischen und wirtschaftlichen Folgen des Bürgerkrieges zu verarbeiten.
Aber schon wetteifern in all dem Chaos diverse "Freunde des libyschen Volkes", ihren Anteil am Sieg gegen Gaddafi zu betonen. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan wollte der erste Staatsgast sein, der Libyens provisorische Führung in Tripolis umarmt - und das schon am heutigen Freitag! Doch Erdogan kommt zu spät. Schon gestern tauchten ohne Vorankündigung Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premier David Cameron in Tripolis auf.
Die undiplomatische Eile hat gute Gründe: Nachdem vor allem die französische Diplomatie den Ausbruch des "Arabischen Frühlings" in Tunesien und Ägypten ziemlich verschlafen hat, will sich Sarkozy nicht noch einmal im französischen "Vorgarten" jenseits des Mittelmeers ausbooten lassen.
Vor allem aber spekulieren Franzosen und auch Briten auf lukrative Bohrrechte in Libyen. Schließlich hat der Übergangsrat angekündigt, dass bei Aufträgen für den Wiederaufbau vor allem jene Länder berücksichtigen werden, die den Krieg gegen das Regime intensiv unterstützt haben. Schlechte Karten daher für die Deutschen, die Kampfeinsätze der Nato gegen Gaddafi stets ablehnten.
Für Nicolas Sarkozy war der Blitzbesuch in Tripolis auch eine Chance, vergessen zu machen, dass er zu Beginn seiner Amtszeit Gaddafi in Paris mit peinlichem Pomp empfangen hatte. Aber auch Erdogan wird heute wohl nur von der Zukunft sprechen wollen, vom "Arabischen Frühling" und dessen logischer Partnerschaft mit der islamischen Türkei, und nicht von der Vergangenheit, als türkische Baukonzerne milliardenschwere Verträge mit Gaddafi schlossen, an die Ankara nun anknüpfen möchte.
Doch der erste Wunsch, den die Rebellen-Führer an ihre Freunde in Paris, London und Ankara haben, hat nichts mit dem Wiederaufbau zu tun. Sie wollen moderne Waffen, um Gaddafi endgültig zu vernichten. Das ist gefährlich. Libyen strotzt bereits vor Waffen und es ist noch unklar, wer dort künftig das Sagen haben wird.
Wer wie Sarkozy, Erdogan und Co. jetzt schon um Geschäfte buhlt, sollte daher erst einmal sicherstellen, dass er nicht irgend einen Rebellen-Bock zum libyschen Gärtner macht.
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