Liane und Xaver - ein ungleiches Paar
Sie hat ein sonniges Gemüt, dank ihm haben Regenschirme Konjunktur.
Puh. Durchschnaufen, Liane, durchschnaufen. Die letzten Tage waren keine leichten für sie, die Schöne, die von allen Geliebte. Plötzlich war sie ein Star, auf den Titelseiten der heimischen Tageszeitungen und in aller Schwimmer Munde. Doch dann, knapp bevor ihr die Bademeister göttlichen Status verliehen, kam Xaver, machte alles zunichte und verdrängte sie völlig uncharmant. Er brachte dunkle Wolken, Regen und vor allem, wie es in Meteorologen-Kreisen so schön heißt, schaueranfällige Luft. Xaver ist nämlich ein Tiefdruckgebiet, während Liane ein Hochdruckgebiet war. Was ihr naturgemäß Sympathievorteile bei uns Menschen brachte.
Verantwortlich für diese an und für sich unfaire Kategorisierung der beiden Protagonisten zeichnet das Institut für Meteorologie der Freien Universität (FU) Berlin, und das seit mittlerweile 57 Jahren. Via Online-Formular kann ein jeder gegen ein Entgelt Wetterpatenschaften übernehmen. Für ein Tiefdruckgebiet bezahlt man 199 Euro, wer eher mit positiven Schlagzeilen konnotiert werden will, legt für ein Hochdruckgebiet 299 Euro auf den Tisch. Xaver, oder besser dessen Patenonkel, hätte aber auch Millionär sein dürfen, er hätte keine Chance auf Sonnenschein und Wolkenlosigkeit gehabt, zumindest nicht heuer. Im Jahr 2011 tragen alle Tiefdruckgebiete männliche Vornamen, während die Hochdruckgebiete mit weiblichem Antlitz durch die europäischen Länder ziehen - in Österreich meist von Westen nach Osten, wie Meteorologen erklären. Als Jean-Pierre hätte Xaver übrigens überhaupt keine Möglichkeit gehabt berühmt zu werden - Doppelnamen sind, wie auch Nach- und Firmennamen, nicht erlaubt.
Die Flüchtigkeit von Ruhm und medialer Aufmerksamkeit, Andy Warhols "15 Minuten Ruhm" lassen grüßen, haben hierzulande auch Liane und Xaver erfahren müssen. Während Erstere ihr Glück nun in Osteuropa, zurzeit in Ungarn, suchen wird, hat sich Xaver für einen Gastauftritt im Baltikum entschieden. In Österreich werden wir die Abstinenz der beiden verkraften. Mit Morven steht ein nächster Star ante portas - den wir wieder alle lieben werden. MARKUS ZOTTLER



















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