Die Welt-Beschleunigungs-Maschine
Heute vor 30 Jahren erblickte der erste IBM-PC das Licht der Welt.
Bei IBM brannte 1980 der Hut: Seit Jahren gab es kleine Heim- und Bürocomputer von Apple oder Atari, denen IBM nichts entgegensetzen konnte. Alle Versuche, leistbare Computer herzustellen, scheiterten. Das Ergebnis war stets zu teuer. Also holte man die besten Köpfe und sperrte sie in ein Labor in Florida. Ihre Aufgabe war es, einen Computer zu bauen, der nur aus Teilen bestehen durfte, die es auch im Bastelmarkt um die Ecke gab. Am 12. August 1981 war der "IBM-PC 5150" fertig.
Der 5150 war zwar leistbar - das günstigste Modell kostete 1565 Dollar - aber technisch bescheiden. Das Kalkül bei IBM: In enormen Stückzahlen könnte man den Rückstand zur Konkurrenz aufholen. Also veröffentlichte man die Baupläne, und weil man auf Bauteile von der Stange zurückgriff, konnte jeder Bastler einen Personal Computer bauen, der mit dem Vorbild "kompatibel" war, also gleich funktionierte.
Auch bei der Software vertrauten die IBM-Ingenieure anderen. Ein gewisser Bill Gates lieferte sein MS-DOS, das er damals nicht einmal hatte. Für den Auftrag musste der Microsoft-Gründer erst trickreich eine Firma kaufen. Weil Microsoft nicht nur IBM belieferte sondern jeden, der MS-DOS haben wollte, entstand eine gewaltige Branche, die viele zu Milliardären machte. Seit 1981 wurden so Milliarden Personal Computer gebaut, die unentbehrlich wurden. Sie steuern Satelliten und Schiffe, verkaufen Tickets und drucken Geburtstagseinladungen. Die rasante Verbreitung des Internet hätte ohne den PC ebenso wenig stattgefunden wie die Globalisierung unsere Welt beschleunigen konnte.
IBM konnte indes mit dem Tempo nicht mithalten. Computer vom Fließband wurden billiger und ließen bei steigendem Wettbewerb die Margen dahinschmelzen. Fast vom Start weg baute die Konkurrenz mehr IBM-PCs als der Originalhersteller. Missmanagement und Fehlentscheidungen brachten den Konzern in den 1990er Jahren an den Rand des Ruins. Fast wäre der Konzern, der heute einen Großteil des Umsatzes mit Beratung macht, über sein erfolgreichstes Produkt gestolpert und hätte sein 100-Jahre-Jubiläum im heurigen Juni nicht erlebt. GEORG HOLZER



















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