Viele Wege führen zu Gott
Wo sich Talente entfalten dürfen, entstehen Leidenschaft und Berufung.

Foto © EggenbergerDie Anbetung der Heiligen ist ein spektakulärer Moment im Leben eines jeden Geistlichen: Am Sonntag weihte Diözesanbischof Alois Schwarz im Klagenfurter Dom Karol Tyrcha, Maciej Witek und Stefan Kopp zu Priestern
Berufung ist der Ruf Gottes, der unerwartet an einen Menschen ergeht. So steht es zumindest in Meyers Lexikon.
Für manche Menschen bedeutet Berufung, dass sie ein Schlüsselerlebnis erfahren. In Interviews und Beschreibungen in der Broschüre "Begegnung/Sreanje - Zeitschrift des Kärntner Priesterseminars" haben viele Betroffene gesagt, dass für sie der Weg zum Priester oder zum Ordensberuf ein langer war, der durch Vorbilder in der Familie oder im Freundeskreis geprägt wurde.
In der kirchlichen Tradition wird der Begriff Berufung häufig in einem deutlich engeren Sinne verwendet. Da bezieht er sich nämlich nur auf die Wahl eines geistlichen Berufes.
Damit die eigene Berufung nicht dem Zufall überlassen bleibt, bietet die Diözese Gurk in Maria Saal ein offenes Seminar an (mariasaal@kath-pfarre-kaernten.at). Die am Priesterberuf interessierten Männer schaffen bei diesen Treffen eine - dauerhaft auch über das Internet verbundene - Gemeinschaft, in der die Suche nach der eigenen Berufung, das Sprechen darüber, die gegenseitige Unterstützung und kompetente Begleitungen möglich sind. Die Frage der Berufung betrifft nicht wenige Menschen: In Kärnten sind zurzeit 249 Diözesan- und Ordenspriester, 266 Ordensfrauen und neun Ordensbrüder beschäftigt. Trotzdem wird heimischer Nachwuchs dringend gesucht.
Heute wird der Berufungsbegriff weiter gefasst: Jeder Mensch verfolgt seine Berufung mit Leidenschaft und Würde. Dies geschieht nicht nur in geistlichen Bereichen, sondern auch in weltlichen. Berufung hängt auch von Willen, Talent und Zufall ab.
Eine persönliche Berufung zu leben, heißt, die passende Lebensform zu wählen. Es ist Aufgabe jedes Menschen, seine eigene Berufung zu erkennen. Dabei ist man aber auch auf die Hilfe, Hinweise und Unterstützung anderer Menschen angewiesen.
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MEINUNG

TANJA BISCHOF
Sinn und Leben
Berufung: Ist das eher ein Finden zu sich selbst und den inneren Bedürfnissen oder die Antwort auf den plötzlichen Ruf Gottes?
Die Wege der Berufung können sehr vielfältig verlaufen.
Wie auch immer, ich stehe diesen Personen mit Hochachtung gegenüber. Hinter ihnen verbirgt sich nicht nur der Wunsch, Priester zu werden, sondern sich für den Glauben, dessen Vermittlung und die Gemeinschaft der Kirche einzusetzen, auch wenn dies mit dem Verzicht auf viele Dinge verbunden ist.
Meiner Meinung nach ist dies eine sehr schwierige Aufgabe, aber ich finde es beneidenswert, wie die Berufenen mit voller Überzeugung dahinter stehen und sich ihrer Entscheidung und ihres Zieles sicher sind. Für mich wäre es eher unvorstellbar, dieses Ziel mit so großem Enthusiasmus zu verfolgen, da es nicht meinen Bedürfnissen entspricht, beispielsweise ins Kloster einzutreten.
Doch allgemein gesehen ist es immer wichtig, genau diese Sicherheit und Willensstärke zu besitzen, um sein Leben sinnerfüllt zu gestalten. Egal, ob man das als Priester oder als sogenannter "Sünder" macht.



























