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Zuletzt aktualisiert: 25.05.2010 um 17:28 UhrKommentare

Jugend ohne Gott

Die Geschichte eines jungen Österreichers persischer Abstammung, der ohne Gott aufwächst und sagt, dabei nichts zu missen.

Cornelius Obonya als Lehrer in einer Inszenierung von Horvaths "Jugend ohne Gott" - eineParabel über fehlendes Gerechtigkeitsempfinden und Verrohung

Foto © ReutersCornelius Obonya als Lehrer in einer Inszenierung von Horvaths "Jugend ohne Gott" - eineParabel über fehlendes Gerechtigkeitsempfinden und Verrohung

Mittelgroß, braunes, schulterlanges, lockiges Haar. Ein Hauch orientaler Teint, dunkle, große Augen. Keno P. (Name von der Redaktion geändert) ist einer jener Jugendlichen, die nicht wirklich auffallen. Vielleicht stechen die schwarzen T-Shirts, auf denen die Logos von Black-Metal-Bands gedruckt sind, manchem negativ ins Auge, doch sonst ist er das, was man als freundlich, höflich und gut erzogen bezeichnet - selbst wenn er die weißen Kopfhörer seines iPods auch bei Gesprächen nicht raus nimmt.

Doch hinter dem Durchschnitts-Jugendlichen verbirgt sich eine standfeste Meinung über den Glauben, den Papst und die aktuellen Skandale in der katholischen Kirche.

Religionsunterricht

Der 14-jährige Keno ist Österreicher, wenngleich er seine persischen Wurzeln nicht leugnet. Getauft wurde er nie, einen Einblick in eine Religion bekam er nie. Seine Eltern, seine drei Geschwister, die ganze Familie ist ohne Bekenntnis. "Ich bin ohne Religion aufgewachsen und deshalb geht mir auch nichts davon ab", erzählt er. In der Volksschule war Keno wohl beim Religionsunterricht anwesend. An dem hat er sich aber nie wirklich beteiligt. "Begeistern kann ich mich für das, was da erzählt wurde, ohnehin nicht."

Sein Großvater väterlicherseits gehört den sogenannten Bahai an, einer persischen Glaubensgemeinschaft. Die Großmutter mütterlicherseits ist jedoch katholisch. Trotzdem sind beide Eltern ohne Bekenntnis. Der Vater schon von Geburt an. Die Mutter ist vor 25 Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten.

Auf die Frage nach seiner Meinung zu den Missbrauchsskandalen der katholischen Kirche, findet er klare Worte. "Ich denke, dass bei den katholischen Priestern als Erstes der Zölibat abgeschafft werden sollte. Dann wäre so etwas nie geschehen."

Ob er es bedauert nicht bei der katholischen oder einer anderen Kirche zu sein? "Nein, bestimmt nicht. Wäre ich Katholik, hätte ich mich spätestens jetzt für einen Austritt entschieden."

Hexenverbrennung

Im Gegensatz zur gleichgültigen Meinung über Religionen, regt er sich ziemlich über das Papsttum und die Person Papst Benedikts auf. Auch über die Geschehnisse in der Vergangenheit wie Kreuzzüge und Hexenverbrennungen kann und will er nicht hinwegsehen. "Eine Institution, die solche Taten anzettelt, kann nie und nimmer glaubwürdig sein." Gegenüber dem Papst hat er eine ziemlich negative Einstellung. "Das Erste was ich an der Kirche ändern würde, wäre ein anderer Papst! Wie kann man eine solch rassenfeindliche Person mit ziemlich abwegigen Ansichten nur an die Stelle des Papstes stellen? Das ist mir gänzlich unverständlich. Noch dazu, wo der Papst rechtlich betrachtet ein absolutistischer Herrscher in seinem kleinen Staat ist."

Persisches Neujahr

Müsse er sich zwischen Ethikunterricht und Religionsunterricht entscheiden, wäre er auf jeden Fall für Ersteres. Er begründet: "Jeder sollte sich selbst entscheiden können, ob und welcher Religion er beitritt." Wäre er gezwungen, sich einer Glaubensgemeinschaft anzuschließen, wüsste auch Keno nicht so recht, wie er sich verhalten sollte. "Ich will meine Entscheidungsfreiheit nicht aufgeben."

In einem Punkt hat die Religion in Kenos Alltagsleben allerdings doch Platz: "Feiertage wie Ostern und Weihnachten werden bei uns sehr wohl gefeiert. Nur eben nicht aus religiöser Sicht, sondern eher als eine Art Tradition." Wobei sich die Familie beider Kulturkreise, aus denen sie stammt, bedient. "Nouruz", das persische Neujahr wird bei ihm zu Hause als eine Art Weihnachten gefeiert.


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