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Zuletzt aktualisiert: 28.04.2010 um 17:58 UhrKommentare

"Fankurve ist Spiegel der Gesellschaft"

Sturm-Fan Georg Kleinschuster, eines der aktivsten Mitglieder der "Kurve", über das Fan-Dasein, den Verein und über das erneuerte Pyrotechnikverbot.

Schwarz-weiße Siegesfreude: Jubelnde Sturmfans stimmen nach einem wichtigen Heimerfolg gegen Salzburg eine Siegesparole an

Foto © PLANKENAUER Schwarz-weiße Siegesfreude: Jubelnde Sturmfans stimmen nach einem wichtigen Heimerfolg gegen Salzburg eine Siegesparole an

Was bedeutet für dich "Fan" beziehungsweise "Fankultur"?

GEORG KLEINSCHUSTER: Für mich bedeutet es, wie man für seinen Verein lebt und was man für ihn tut. Egal ob man auf der Längsseite sitzt oder hinter dem Tor steht.

Nun bist du doch eines der bekannten Gesichter in der "Kurve". Woher kommt diese Faszination für Fußball, insbesondere für Sturm?

KLEINSCHUSTER: Zuerst hat mich natürlich mein Vater mit ins Stadion genommen. Erst später habe ich begonnen, regelmäßig zu den Spielen zu fahren.

Wie lange engagierst du dich nun schon für den Verein und was machst du konkret?

KLEINSCHUSTER: Das Ganze entwickelte sich 1994. Zum Fanclub, in dem ich heute für die Organisation verantwortlich bin, bin ich allerdings erst 1996 gekommen.

Als Fan geht man mit dem Verein durch Höhen und Tiefen. Denken wir nur ein paar Jahre zurück: Große Hürden mussten bewältigt werden. Wie entwickeln sich deiner Meinung nach der Verein und die Mannschaft heute?

KLEINSCHUSTER: Es wird im sportlichen Bereich sehr professionell gearbeitet, doch bei der Fanbetreuung fehlt zum Beispiel noch einiges. Natürlich hatten wir es in den vergangenen Jahren sehr schwer, doch jetzt, wo wir wieder viele Zuseher haben, wäre ein Fan-Service nötig. Man hat nun die Möglichkeit, Leute an den Verein zu binden, doch dafür muss auch etwas geleistet werden. Im Moment fehlt es noch an diesem Denken. Ansonsten ist der Verein auf einem sehr guten Weg.

Wie sieht es mit der Kriminalität im Stadion aus? Glaubst du, dass diese überschätzt wird?

KLEINSCHUSTER: Kriminalitäts- beziehungsweise Gewaltprobleme gibt es meiner Meinung nach im Stadion nicht. Es wird sehr vieles aufgebauscht, denn im Grunde ist die Fankurve nichts anderes als ein Spiegel der Gesellschaft. Wenn man überhaupt so weit geht und sagt, dass es Probleme gibt, muss man auch so ehrlich sein und dazusagen, dass diese nicht im Fußball, sondern in der Gesellschaft und deren Entwicklung liegen. Fußballfans werden nur leider plakativ dazu verwendet, schlechte Schlagzeilen zu liefern. Ein Problem, das sich nur schwer lösen lässt.

Was ist der derzeitige Stand der Dinge im Bezug auf das Pyrotechnikverbot in Österreich?

KLEINSCHUSTER: Das Gesetz wurde verschärft und der Strafrahmen für das Zünden von pyrotechnischen Gegenständen wurde auf 4500 Euro verdoppelt. Es gibt offiziell die Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung, doch wie man vor Kurzem bei einem Verein im Burgenland sehen konnte, sind die Auflagen für Fußballverein und Fanclub nicht einhaltbar. Wir sprechen hier von Vorgaben, die meiner Meinung nach jenseits von Gut und Böse liegen. Dieses Gesetz ist in Wirklichkeit nichts weiter als Augenauswischerei.

Hat sich die österreichische Initiative "Pyrotechnik-ist-kein-Verbrechen" schon ausgewirkt?

KLEINSCHUSTER: Nein, leider nicht. Der Grundgedanke hinter diesem Zusammenschluss ist der, dass wir zeigen wollen, dass Fans durchaus imstande sind, Pyrotechnik zu verwenden, ohne dass eine Gefahr für andere Menschen im Stadion besteht. Wir sprechen uns ganz klar gegen den Gebrauch von Böllern aus. Es geht uns rein um die optische Unterstützung der Mannschaft durch Rauch oder bengalische Feuer. Unser Ziel ist es daher, der Bevölkerung zu zeigen, dass Pyrotechnik nichts Schlimmes oder Böses ist und wir hoffen, dass Teile des Gesetzes rückgängig gemacht werden.

Dabei ist Pyrotechnik auch in anderen Sportarten durchaus vertreten. Nehmen wir das Schifahren oder das Schispringen her. Soll es auch dort Änderungen geben?

KLEINSCHUSTER: Das ist zwar wahr, doch möchte ich betonen, dass wir auf keinen Fall wollen, dass es nun auch dort verboten wird. Pyrotechnik ist lediglich ein Zeichen von Begeisterung, und wir wollen Gleichberechtigung.

Was bedeutet dieses Verbot für die Fankultur, ihre Entwicklung und vor allem für die Anhänger?

KLEINSCHUSTER: Es ist der erste Eingriff des Staates in die Fanstruktur. Und wir wissen, wie es in anderen Ländern weitergegangen ist und was im Endeffekt auf uns zukommen kann. Das war erst der Anfang, denn sie werden auf jeden Fall versuchen den emotionalen Fußballfan ins kriminelle Eck zu drängen, um sich eine Masse anzueignen, die nicht mehr das tut, was sie will, sondern was man ihr vorschreibt.


DIE FANCLUBS

Drei große und rund ein Dutzend weitere Fanclubs hat der SK Sturm Graz. Sie sind in der Nordkurve (Sektoren 9 bis 13) der UPC-Arena Stimmungsmacher und Anpeitscher.

Die "Brigata" Graz und die "Jewels" wurden bereits 1994 - damals noch in der Gruabn - gegründet. Die Grazer Sturmflut folgte 1996.

ZITATE

"Fans und Künstler leben voneinander. Feedback wie Applaus ist mir extrem wichtig. Wahre Fans sind für mich jene, die meine CDs kaufen und die Musik nicht illegal downloaden."
Diana Lueger, Lead-Sängerin der Band "Zweitfrau"

"Fans sind wichtig, deshalb spielt man auch gerne zu Hause. Sogar Fans aus China haben mich angeschrieben. Meine Mutter war übrigens mein erster Fan."
Florian Gosch, Beachvolleyball-Profi, Vizeeuropameister, 12. der Weltrangliste

"Man darf es als Spitzenpolitiker nicht darauf anlegen, dass die eigene Person sympathisch ist, da wird man schnell zum Populisten. In der Politik ist der Wettstreit der besseren Ideen viel wichtiger."
Franz Voves, Landeshauptmann

"Die Fans sind nicht gefährlich, wenn sie einzeln auftreten, wie bei Rockkonzerten. Schwieriger sind Gruppierungen wie beim Fußball. Diese Fans suchen oft die Konfrontation und Schlägereien."
Brigadier Kurt Kemeter, Stadtpolizeikommandant Graz

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