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Zuletzt aktualisiert: 31.07.2012 um 22:03 UhrKommentare

Anna Netrebko, Opernsängerin, im Porträt

Nachtigall aus Krasnodar: Anna Netrebko hat eine Märchenkarriere gemacht.

Foto © AP

1.Akt: Anna Jurjewna ist ein russisches Mädchen mit apfelroten Wangen. Sie tanzt und singt gern und ersehnt nichts mehr als Musik, Musik, Musik. Um ein paar mickrige Rubel für ihre Gesangsstunden in ihre Schürze stecken zu können, greift sie im elfenbeinfarbenen Marinskii-Palast von St. Petersburg sogar zu Kübel und Wischmopp.

Da erscheint Palastherr Valery, der aussieht wie ein griesgrämiger Bär, aber nur mit dem Taktstock in der Hand wild brummt. "Wie kommt eine so wunderbare junge Frau dazu, die Fußböden in unserem Palast zu schrubben?", fragt sich Valery gerührt und denkt: "Ein Mädchen, das sich für den Gesang als Putzfrau verdingt, muss die Musik lieben." Und also führt er sie auf die Bühnen und hinaus in die Welt und über den großen Teich, und alle jubeln der Nachtigall aus Krasnodar zu, auch weil sie so schön ist.

2.Akt: Der betörende Klang der nachtigallenen Sängerin dringt überall hin, auch zu Ioan, dem letzten Patriarchen von Europa, der an der Donau residiert, und er lässt die entzückende Anna in seinem prächtigen Tempel vom Liebeselixier der Opernmusik trinken. Trunken aber werden vor allem die Zuhörer, die Anna für immer bei sich haben wollen. "Gut", sagt die Bezauberin, "dann will ich eine von Euch werden, weil so wie die Musik liebe ich auch Euer Land."

3.Akt: Auch wenn Anna es immer wieder in die weite Welt zieht und sie Schlösschen in ihrer alten Heimat und in der Neuen Welt hat, zur Königin der Opernnacht wird sie vor allem an der schönen blauen Donau und an der türkisen Salzach, wo man sie bald nur noch Donna Anna ruft oder "La traviata".

Vom Weg abkommen, wie der italienische Name sagt, will das hübsche Russenmädchen allerdings nie, auch wenn man sie in die teuersten Roben steckt, in den goldensten Kutschen chauffiert oder die buntesten Bilder von ihr malt. Ihre Richtung heißt weiterhin forte und piano, con brio und con fuoco. Und weil zu einer feurigen Königin auch ein feuriger König gehört, thront neben ihr Erwin I. von Uruguay. Samt kleinem Prinzen natürlich: Tiago Aruã. Wenn er schreit, hat er angeblich apfelrote Wangen. Vorhang.

MICHAEL TSCHIDA





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