Evgeny Nikitin, Opernsänger, im Porträt
Die Spätfolge einer Jugendsünde: Evgeny Nikitin (39) musste wegen Nazi-Tattoo Bayreuth verlassen.

Foto ©
Die Premiere bei den Bayreuther Festspielen wäre ein Höhepunkt seiner Karriere gewesen: Als erster Russe sollte Evgeny Nikitin zum Auftakt die Titelpartie in Richard Wagners Oper "Der fliegende Holländer" singen.
Kurz davor stolperte Nikitin aber über eine Jugendsünde. In einem TV-Beitrag waren Archiv-Filmaufnahmen aus den 90er-Jahren zu sehen gewesen, die ihn als Schlagzeuger einer russischen Heavy-Metal-Band zeigten, auf dessen nacktem Oberkörper ein Hakenkreuz und eine andere tätowierte Nazi-Rune zu sehen waren. Die Herrinnen auf dem Grünen Hügel, auf dem einst Adolf Hitler die Gastfreundschaft von Winifred Wagner genossen hatte, reagierten prompt. Nach einem halbstündigen Gespräch mit Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier zog Nikitin die Konsequenzen und verzichtete auf seine Auftritte in Bayreuth. An seiner Stelle wird der Koreaner Samuel Youn den "Fliegenden Holländer" singen.
Nikitin, der am ganzen Körper Tattoos trägt, spielt deren Wertigkeit herunter: "Die Zeichen haben für mich überhaupt keine politische, sondern nur eine spirituelle Bedeutung. Ich war nie Teil einer politischen Partei und bin es auch heute nicht." Der international erfolgreiche Sänger deklariert seine Tätowierungen als Jugendsünden: "Ich habe mir die Tattoos in meiner Jugend stechen lassen. Es gehörte einfach zu unserer Underground-Kultur, denn Rockmusik ohne Tattoos ist, ehrlich gesagt, einfach nicht seriös."
Jetzt bedauert er: "Es war ein großer Fehler in meinem Leben und ich wünsche mir, dass ich es niemals getan hätte." Seiner Vergangenheit gewinnt er aber auch positive Aspekte ab: "Die Zeit als Schlagzeuger in der Metal-Band war entscheidend, um Rhythmus zu lernen."
Seiner Karriere wird der vorzeitige Abgang aus Bayreuth wohl nicht ernsthaft schaden. Nikitin, den sein großer Förderer, der Dirigent Valery Gergiev, schon 1997 erstmals zu den Salzburger Festspielen mitgenommen hatte, zählt dank der Qualität seines heldischen Bassbaritons, seiner Wortdeutlichkeit und seines breiten Repertoires zu den großen Sängern unserer Zeit. ERNST NAREDI-RAINER





