Bruce Springsteen, US-Rock 'n' Roller, im Porträt
Bruce Springsteen, Sanierer des amerikanischen Traums, spielt in Wien.

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Er war nach den alles in Schutt legenden Terrorattacken von 9/11 für seine Fans da - und er ist es auch heute wieder: Wenn Bruce Springsteen für seine aktuelle Welttournee zu drei- oder vierstündigen Konzerten auf die Bühne tritt, braucht er jedes einzelne Dezibel, um sich die Wut aus dem noch immer drahtigen Leib zu brüllen: gegen "Bankster" an der Wall Street, gierige Vorstände, bis ins Mark korrupte Politiker und die eigene Großmutter Verspekulierende.
Die Feindbilder kehrten sich um, doch die Botschaften blieben die gleichen: Der amerikanische Traum ist trügerisch, so mancher schnitt sich an diesem rostigen Messer mit zwei Klingen schon blutig. Springsteen verteufelt ihn, um ihn danach zu restaurieren. "Ich bin ein 62-jähriger Familienvater aus New Jersey, der es nicht fassen kann, wie viel in meinem Land falsch läuft", hielt der schwerreiche Musiker dazu fest. Er schafft den Spagat zwischen Weltruhm und Bodenständigkeit noch immer - das war und ist seine vielleicht größte Leistung.
Seit 40 Jahren ist er ein Schwerarbeiter des Rock 'n' Roll und am besten darin, dem einfachen Volk eine mächtige Stimme zu geben - ihm den Puls zu fühlen und Befindlichkeiten wiederzugeben. Springsteen ist nicht der Mann der feinen Zwischentöne, er verstärkt Stimmungen, die da sind und packt alles in große Songs. Die neuen Alben sind politischer denn je, viele seiner Fans würden auf die viel zitierte einsame Insel aber doch die Frühwerke aus der Ära von 1975 bis 1984 mitnehmen.
An der Seite des Musikers sind seit Jahrzehnten die legendäre, inzwischen etwas geschrumpfte E Street Band - und Ehefrau Patti Scialfa. Unter der groben Gefühlskälte seines irisch-niederländisch-stämmigen Vaters und den tristen Verhältnissen seiner Jugend litt Springsteen lange. Sie waren aber auch Initialzündung dafür, die Flucht zu wagen und in Richtung Musik zu entkommen: "Born To Run" ist neben "Nebraska" das vielleicht wichtigste Album des dreifachen Familienvaters und 20-fachen "Grammy"-Gewinners. Die Sehnsucht, ausbrechen zu wollen, wird perfekt skizziert: sentimental, mit Herzblut und dann die Muskeln spannend. So wie der "Boss" selbst.
THOMAS GOLSER
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