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Zuletzt aktualisiert: 09.07.2012 um 20:30 UhrKommentare

Enrico Bondi, Sonderkommissar, im Porträt

Enrico Bondi wacht über die Ausgaben des Krisenkandidaten.

Foto © AP

Sein Beiname in Italien ist eindeutig: "Der Mann mit den Scherenhänden" geht auf Enrico Bondis Spezialität zurück, unnötige Ausgaben zu erkennen und gegen alle Widerstände einzusparen. Seit April 2012 ist er Sonderkommissar für die Überprüfung der Staatsausgaben. Bis 2014 sollen nun, auch nach seinen Vorschlägen, weitere 26 Milliarden Euro eingespart werden. Vor allem beim Personal und in der unübersichtlichen Gebietsorganisation in Italien sah er Überfluss. Aber auch Kleinigkeiten zählen: So soll Bondi bei einem Besuch im Finanzministerium fünf Mitarbeiter bei einer ausgedehnten Zigarettenpause erwischt und ein Disziplinarverfahren gegen sie angestrengt haben. Auch gegen Tag und Nacht auf Ministerialfluren brennendes Licht und Papierverschwendung reagiere er allergisch.

Bondi ist gelernter Chemiker, doch bekannt wurde er durch die Rettung bankrott gegangener Unternehmen. 1993 sanierte er den Chemiekonzern Montedison und verkaufte dafür unter anderem Jachten und Gemälde der unfähigen Eigentümerfamilie. 2003 wurde er gerufen, um den Molkereikonzern Parmalat zu retten. Obwohl als Freund der Banken verschrien, erstattete Bondi den Kleinanlegern ihr Geld zurück und strich keinen einzigen Arbeitsplatz.

Bondi ist auch mit sich selbst sparsam. Seine Lebensweise soll sich auf den Genuss von Weißbrot und Olivenöl beschränken. In seiner Freizeit kümmert er sich um die Rosenzucht und den Olivenanbau auf seinem Landgut bei Arezzo. Legendär ist seine Manie, die Bleistifte, mit denen er die Bilanzen nach Überfluss durchforstet, solange zu spitzen, bis sie in seiner großen Hand verschwinden.

Während er für die Parmalat-Rettung eine Millionen-Gage bekam, will er den Job als staatlicher Sparkommissar umsonst machen. Für Dienstwagen, die in Italien Symbole der Verschwendung von Steuergeldern sind, hat Bondi nichts übrig. Ihren staatlichen Gebrauch ließ er nun stark reduzieren. Zur Verabschiedung als Kommissar von Parmalat ließ er sich nicht etwa chauffieren, sondern fuhr in seinem Lieblingsauto vor: einem Fiat Panda.

JULIUS MÜLLER-MEININGEN






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