Enrique Peña Nieto, Präsident von Mexiko, im Porträt
Fernsehstar oder Präsident? Was Enrique Peña Nieto ist, sieht man nicht auf den ersten Blick. Auf den zweiten wird klar: Beides, und der Grat, auf dem er da wandert, ist schmal.

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Die bisherigen Stationen seiner Karriere: Spross einer politisch einflussreichen Familie, strategisch günstig aufgewachsen in Atlacomulco, dem Herkunftsort vieler mächtiger Politiker; danach Jus-Studium, Parteiposten und das Gouverneursamt; schließlich die mexikanische Traumhochzeit.
Traumhochzeit? Was aussieht wie eine gebrochene Sprosse in der politischen Karrierestrickleiter, ist bei Peña Nieto das Seil, das vieles zusammenhält. 2010 heiratete er Angélica Rivera, Star einer Telenovela des Senders Televisa. Die Seifenopern sind in Mexiko extrem beliebt; den Sender sehen rund 70 Prozent der Bevölkerung. Nach Liveübertragung der Vermählung und Tour durch den bunten Blätterwald kam der seitengescheitelte Telegene ins Gespräch für das Präsidentenamt.
Der Stammsender seiner Gattin begleitete seinen Wahlkampf und ihn zu Ausflügen zur indigenen Bevölkerung oder einer Homestory. Die Verbandelung mit Televisa war Anlass für sonntägliche Demonstrationen, sogar als "mexikanischer Frühling" betitelt. Dabei legt Peña Nieto Wert darauf, im demokratisierten Mexiko groß geworden zu sein. Das Dinosaurier-Image seiner PRI-Partei - von 1929 bis 2000 an der Macht und verantwortlich für Unterdrückung und Korruption - soll er mit seiner Dynamik ablegen helfen. Die Mexikaner hingegen erwarten von ihm, was die Gegnerpartei seit 2000 nicht geschafft hat: das Ende des tobenden Drogenkriegs, die Kluft zwischen den Armen und Reichen zu schließen, sowie die Privatisierung von großen Konzernen, die ein Loch in die Staatsfinanzen reißen könnte.
Zugetraut wird dem "intellektuell Beschränkten" (New York Times) dieser Spagat kaum. Eine Anekdote darüber, wie er daran scheiterte, drei für ihn bedeutende Bücher zu nennen, macht seit Monaten die Runde. "Mehr Aussehen als Hirn" lautet das Resümée Vieler. Ob die Kritiker recht behalten oder die mexikanischen Wähler - mal (fern)schauen.
CAROLINE MEMPÖR





