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    Zuletzt aktualisiert: 27.06.2012 um 20:30 UhrKommentare

    Jean-Jacques Rousseau, Philosoph, im Porträt

    Heute vor 300 Jahren wurde der Philosoph Jean-Jacques Rousseau geboren.

    Philosoph Jean-Jacques Rousseau

    Foto © APPhilosoph Jean-Jacques Rousseau

    Zurück zur Natur!" ist das Postulat, das einem spontan zu Jean-Jacques Rousseau einfällt. Dabei stammt es gar nicht von ihm, trifft aber doch Grundaspekte zweier Hauptwerke des Philosophen: der politisch-theoretischen Schrift "Vom Gesellschaftsvertrag" und des pädagogischen Lehrwerks "Émile oder über die Erziehung". Beide wurden wegen ihrer freidenkerischen Inhalte vom Pariser Parlament verdammt und von Genfer Behörden 1765 verbrannt.

    Zurück zur Natur geht Rousseau selbst wegen dieser Ächtung, ins innere Exil. Der Vater von fünf Kindern wird zum einsamen Spaziergänger, zum sozialen Eremiten, der auf der Petersinsel im Bielersee Pflanzen erforscht. Nach Jahren der Isolation stirbt der Rebell mit der resignierten Seele, der sich ständig krank und wahnhaft verfolgt fühlte, im Juli 1778 im Schlösschen Ermenoville bei Paris. Sein modernes Denken aber sollte unsterblich bleiben.

    Heute vor 300 Jahren in eine Genfer Uhrmacherfamilie hineingeboren, erlebte Rousseau eine triste Kindheit: Die Mutter starb im Wochenbett. Der Vater floh wegen einer blutigen Rauferei vor der Gefängnisstrafe und ließ ihn bei Verwandten zurück. In der Obhut eines Pfarrer wurde er misshandelt. Lehren als Gerichtsschreiber und Graveur, unstete Wanderjahre, Gelegenheitsarbeiten als Notenkopist und Komponist von Unterhaltungsmusik: Lange deutete nichts darauf hin, dass Rousseau zu einem der bedeutendsten Schriftsteller und Philosophen werden sollte. Erst ein Essaywettbewerb, den er 1752 gewann, brachte die Wende.

    Im Traktat "Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes" (1762) focht Rousseau für Demokratie und soziale Gleichheit. Kernpunkt für den vifen Rhetoriker war die "Volonté générale", der Gemeinwille des Volkes, der Gesellschaften jenseits absolutistischer Macht Zusammenhalt geben könne, wohl wissend, "dass es echte Demokratie nie gegeben hat und nie geben wird". Dennoch befeuerten seine hoch politischen Ideen die Aufklärung und die Französische Revolution und passen noch heute auf jede Pinnwand: "Mir ist die gefährliche Freiheit lieber als eine ruhige Knechtschaft". MICHAEL TSCHIDA






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