Der letzte Getreue Mubaraks
Farouk Sultan (71) folgte in Ägyptens Präsidentenwahl doch dem Volk.

Foto © APFarouk Sultan
Wochenlang stand er im Zentrum eines politischen Orkans. Angesichts der eskalierenden Unruhe in Ägypten schreckte der Mubarak-Zögling Farouk Sultan in seiner Doppelrolle als Chef des Verfassungsgerichts und Vorsitzender der Obersten Wahlkommission am Ende doch davor zurück, den siegreichen Kandidaten der Muslimbrüder, Mohamed Mursi, um den Wahlsieg zu bringen und damit Ägyptens Revolution rückgängig zu machen.
Wäre es nach der Demokratiebewegung gegangen, hätte Farouk Sultan schon Tage nach Mubaraks Sturz aus seinem Amt fliegen müssen. Stattdessen wurde er 16 Monate später zum wichtigsten Vollstrecker des "weichen Staatsstreichs" der alten Regimekräfte. Das Verfassungsgericht löste unter seiner Regie das von Muslimbrüdern und Salafisten dominierte Parlament auf und legte die Gesetzgebungskompetenz zurück in die Hände der Armee. Kurz darauf war das Gebäude von Soldaten abgeriegelt. Dann kassierten die Obersten Richter ein Gesetz der neuen islamistischen Parlamentsmehrheit, damit der Ex-Premier Ahmed Shafiq doch für das Präsidentenamt kandidieren konnte.
2009 von Hosni Mubarak wegen seiner Linientreue auf den Chefsessel des Obersten Gerichts gehievt, wurde seine Berufung bereits damals kritisiert. Denn Farouks juristische Karriere war äußerst bescheiden, bis er schließlich nur dank Mubarak den Sprung über mehrere Etagen an die Spitze des Verfassungsgerichts schaffte.
Unabhängigkeit der Justiz war für ihn nie ein Ideal. Von Verfassungsrecht hat er nur wenig Ahnung. Stattdessen galt er als Mann mit engsten Beziehungen zu Mubaraks gefürchteter Staatssicherheit. Einen zweifelhaften Namen machte er sich zudem durch umstrittene Wahlaufsichten bei verschiedenen Berufsgewerkschaften. Mal disqualifizierte er unliebsame Kandidaten. Mal annullierte er bei Bewerbern, die den Muslimbrüdern nahe standen, kurzerhand deren Mitgliedschaft im Berufsverband. Mal schloss er alle zivilen Beobachter von der Zählung der Stimmen aus oder zögerte er die Bekanntgabe der Ergebnisse extrem lange hinaus. MARTIN GEHLEN, KAIRO





