Werner Muhm, Direktor der Wiener Arbeiterkammer, im Porträt
Werner Muhm (62) gilt als mächtiger Einflüsterer auf höchster SPÖ-Ebene.

Foto © Kleine Zeitung/Markus Traussnig
Einen roten "Rasputin" nennen ihn manche seiner konservativen Gegenspieler, einen Meister des Ränkespiels, einen dogmatischen, altlinken Klassenkämpfer im sozialpartnerschaftlichen Tarnmantel, der die SPÖ-Spitze gnadenlos vor sich hertreibe. Gleich zwei Bundeskanzler, so wird getuschelt, habe Werner Muhm hinter den Kulissen entmachtet, weil sie ihm zu wirtschaftsfreundlich gewesen seien: Franz Vranitzky und Alfred Gusenbauer.
"Seinen Einfluss spürt man"
"Alles Propaganda", sagt ein Parteifreund und Vertrauter Muhms. Der Arbeiterkammerdirektor sei weder ein Feind der Marktwirtschaft noch roter Königsmacher. Muhms Einfluss auf die Partei werde maßlos überschätzt. Freilich: "Man spürt ihn." Dass Muhm, der nun auf Betreiben der schwarzen Finanzministerin Maria Fekter seinen Sitz im Gouverneursrat der Nationalbank räumen soll, in den roten Reihen exzellent vernetzt ist, bestreitet niemand. Der Kammerrat gehört zu den wichtigsten Beratern Werner Faymanns. Dass der bürgerlich sozialisierte Kanzler seit geraumer Zeit prononciert linke Duftnoten setzt ("Verteilungsgerechtigkeit") soll vor allem auf Muhms Konto gehen.
Dessen Stärke ist, darin stimmen Freund und Feind überein, beträchtlicher Fleiß gepaart mit politischem Instinkt. Ab den Neunziger-Jahren baute er die finanziell gut gepolsterte Arbeiterkammer Stück um Stück zu einer linken Argumente-Schmiede aus. Erklärtes Ziel: ein fundierter, gewerkschaftlicher Thinktank für wirtschaftspolitische Fragen, als Gegenstück zur Industriellenvereinigung. Muhms Tätigkeiten in der Nationalbank, im ORF-Stiftungsrat und in etlichen Aufsichtsräten machen da sich doppelt bezahlt: Zum einen ist er stets, wie er einst einräumte, "zumindest informiert." Zum anderen kann er seine Botschaften an berufener Stelle verbreiten.
Sich selbst sieht Muhm übrigens nicht als Feind der Unternehmer, sondern als in der Wolle gefärbten Sozialpartner. Tatsächlich macht sich ausgerechnet Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl für seinen Verbleib in der Nationalbank stark: "Die fachliche Qualifikation des Herrn Muhm ist unbestritten."
WOLFGANG RÖSSLER
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