Martin Graf, Politiker, im Porträt
Martin Graf (52) droht das Ende einer steilen politischen Karriere.

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Staatsgrenzen
Die heutigen Staatsgrenzen seien "willkürlich gezogen"; schreiendes Unrecht: "Das deutsche Volkstum muss sich frei in Europa entfalten können". So erzählte es der 37-jährige Korporierte und FPÖ-Abgeordnete einem "Spiegel"-Reporter. Zweiflerisch notierte der Beobachter aus Hamburg, dass dieser für ideologische Jugendsünden bereits zu erwachsene Mann offenbar eine politische Karriere im Sinn hatte: "Wer sich unter Burschen bewährt, der schafft es auch in der Politik", sagte Martin Graf.
Das war 1997. Elf Jahre später hievte ihn eine Parlamentsmehrheit in eines der höchsten Ämter der Republik, jenes des Dritten Nationalratspräsidenten. Nur die Grünen und einige Rote versagten Graf die Zustimmung. Er hatte sich zuvor als FPÖ-Bildungssprecher und zweiter Vorsitzender des Banken-Untersuchungsausschusses parteiübergreifend Anerkennung geholt. Linke Studierendenvertreter waren verblüfft, wie offen der blaue Uni-Beauftragte auf sie zuging.
Urteil
Dass er weltanschaulich nach wie vor am äußersten rechten Rand schrammte, war indes kein Geheimnis. Graf ist alter Herr der Burschenschaft Olympia, die den britischen Holocaust-Leugner David Irving als Ehrengast begrüßte. Dennoch gaben sich SPÖ und ÖVP bass erstaunt, als Parlamentspräsident Graf die Regierung in Rom mit der Forderung nach Rückgabe Südtirols düpierte, oder als sich herausstellte, dass sein Mitarbeiter im Internet Neonazi-Läden abklapperte.
Selbst innerhalb der blauen Reihen ist Graf vielen nicht geheuer. Dass es zwischen ihm und dem ideologisch geschmeidigeren Parteichef Heinz-Christian Strache seit Jahren kracht, wird nur halbherzig dementiert. Auch andere Korporierte gehen auf Distanz zu Graf: zu ungehobelt, zu eigennützig, lautet ihr Urteil. Seine berufliche Bilanz außerhalb der Politik ist zudem wenig berauschend. Über Grafs Zeit als Seibersdorf-Chef fällte der Rechnungshof ein vernichtendes Urteil. Nun, da Graf nach dem Stiftungsskandal alle Rückendeckung der Parteifreunde benötigen würde, spricht Strache von "schlechter Optik" und läutet damit wohl den letzten Akt einer politischer Karriere ein.
WOLFGANG RÖSSLER
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