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Zuletzt aktualisiert: 30.05.2012 um 20:30 UhrKommentare

Charles Taylor, Liberias ehemaliger Präsident, im Porträt

Der frühere liberianische Staatschef Charles Taylor ist wegen Kriegsverbrechen in Sierra Leone zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Charles Taylor

Foto © APACharles Taylor

Charles Taylor gefiel sich als Staatsmann in vielen Rollen. Der frühere liberianische Staatschef mimte gerne den Macho, trat mit Sonnenbrille und blütenweißem Smoking auf, gab sich als devoter Christ. Oder er spielte den Part, der ihm auf den Leib geschnitten war: den brutalen Kriegsfürst und Paten des Terrors in der Region. Mit besonderer Vorliebe stilisiert sich der 64-Jährige bis zu seiner Abdankung und Flucht ins Exil nach Nigeria jedoch zum Friedensstifter, der sich angeblich nichts mehr wünscht als Ruhe und Wohlstand für sein Volk. Alle Schauergeschichten über ihn seien frei erfunden - etwa der Vorwurf, er habe als Rebellenführer das Blut ermordeter Gegner getrunken, sagt er vor dem Kriegsverbrechertribunal für Sierra Leone in Den Haag, vor dem er das Strafmaß erfuhr: 50 Jahre Gefängnis.

Urteil für Verbrechen im Nachbarland

Allerdings erhält Taylor die Strafe nicht etwa für Verbrechen in seiner liberianischen Heimat, wo er in den späten 80er Jahren einen Bürgerkrieg anzettelte und 1997 nach massiven Gewaltandrohungen zum Präsidenten gewählt worden war. Angeklagt war er vielmehr für Verbrechen im Nachbarland. Er hat dort die Rebellen der RUF bewaffnet und logistisch unterstützt. Tausenden wurden von der RUF die Arme abgehackt, die Beine oder alle Gliedmaßen zusammen.

Obwohl sein Vermögen auf bis zu drei Milliarden US-Dollar geschätzt wurde, gab sich Taylor zu Prozessbeginn als unverschuldet in Armut Geratener, dem prompt Hilfe für seine Anwaltskosten gewährt wurde. Dabei ist Taylor für seine Gier beginnt: Sie erklärt, warum es dem Abkömmling amerikanischer Sklaven, die im 19. Jahrhundert nach Liberia zurückgekehrt waren, nicht reichte, nach der Machtübernahme die liberianischen Edelholzvorkommen zu plündern - und er auch noch nach den Diamantenfelder in Sierre Leone griff. Kein Wunder, dass Supermodel Naomi Campbell Angst hatte - und nur wider Willen zur Aussage in Den Haag bewegt werden konnte. Campbell hatte nach einem Benefizdinner in Kapstadt Diamanten geschenkt bekommen, die laut Anklage von Taylor stammten.

Wolfgang Drechsler, Kapstadt





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