Jean-Louis Trintignant, Schauspieler, im Porträt
Jean-Louis Trintignant teilte die "Goldene Palme" in sechs Viertel.

Foto © ReutersJean-Louis Trintignant
Das Reglement der Filmfestspiele von Cannes unterbindet weitere Preise für einen mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Film. Also verteilte Jean-Louis Trintignant, der seine Rolle in Hanekes "Amour" mit atemberaubender Genauigkeit spielt, den Preis weiter: Je ein Viertel an die Produzentin, den "besten lebenden Regisseur der Welt" Michael Haneke (Interview auf den Seiten 48/49), seine beiden Kolleginnen Emmanuelle Riva und Isabelle Huppert, das ganze Team sowie seine Ehefrau.
Dabei kannte der Schauspieler, der seit Mitte der 1990er Jahre lieber Theater spielt und nicht ins Kino geht, den österreichischen Regisseur gar nicht. Erst als ihm ein Verwandter Hanekes "Das weiße Band" zum Anschauen gab, biss der 81-Jährige an. Er habe sich mit Selbstmordgedanken getragen, sagte Trintignant in einem Interview, und nichts Besseres vorgehabt: "Aber wenn ich alle 14 Jahre zwei Monate opfere, dann geht das schon."
Größere Pausen bestimmten die gesamte Karriere der aus einer südfranzösischen Unternehmerfamilie stammenden Schauspiel-Legende. Den Beruf wählte er, um seine "fast krankhafte Schüchternheit" zu verlieren. Den ersten Erfolg in "Ewig lockt das Weib" begleitete eine aufsehenerregende Liaison mit Brigitte Bardot, die noch mit dem Regisseur Roger Vadim verheiratet war. Trintignant entzog sich dem Presserummel, indem er sich zur Armee meldete. 1966 kehrte er in "Ein Mann und eine Frau" eindrucksvoll zurück, perfektionierte in Folge sein Rollenprofil als intellektueller, gleichzeitig scheuer wie zwiespältiger Charakter. Der passionierte Autorennfahrer früherer Tage suchte sich seine Rollen ganz genau aus, wurde immer wählerischer, ehe er sich aus dem Filmgeschäft zurückzog. Bis Haneke kam.
Privat musste der Schauspieler den Tod zweier Kinder verkraften: 1970 starb eine Tochter den plötzlichen Kindstod, eine Belastung, an der die Ehe mit Nadine Trintignant zerbrach. Tochter Marie Trintignant starb 2003, ins Koma geprügelt von ihrem Lebensgefährten. Sie habe er mehr als alles andere geliebt, bat Trintignant seinen Sohn Vincent, ebenfalls Schauspieler um Verzeihung.
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