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Zuletzt aktualisiert: 14.05.2012 um 20:30 UhrKommentare

Hannelore Kraft, SPD-Politikerin, im Porträt

Hannelore Kraft ist der neue Superstar der deutschen SPD.

Foto © Reuters

Es ist einer dieser Momente, die klar machen, warum Hannelore Kraft derzeit beliebteste deutsche Sozialdemokratin ist. Im Mai 2012 zu vorgerückter Stunde auf der Wahlparty springt die wiedergewählte Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen auf die Bühne, wo eine Band den Klassiker "Hit the Road Jack" spielt und stimmt mit ein: "Hit the Road" - "Hau ab" - an der Stelle könnte statt Jack auch Norbert stehen. Doch Röttgen hat zu dem Zeitpunkt schon seinen Rücktritt als CDU-Spitzenmann bekannt gegeben, seine Koffer im Geiste gepackt, um schnell nach Berlin zurückzukommen.

Kraft hat damit gepunktet, dass sie sich so klar für Düsseldorf und gegen Berlin ausgesprochen hat. Der Ruf aus den Gängen der SPD, sie könne doch jetzt die Troika an der Parteispitze ausbooten und selbst Kanzlerkandidatin werden, schlug sie nach der Wahl so vehement aus wie davor. Und wer Kraft kennt, weiß, dass sie das Ernst meint, heißt es aus dem Umfeld. Kraft wird frühestens 2017 die SPD anführen.

Der Erfolg der 50-jährigen Wirtschaftswissenschaftlerin erstaunt. In den Reihen der oft strukturkonservativen Sozialdemokraten gilt sie als Quereinsteigerin, weil sie erst mit 33 Jahren in die Partei eintrat. Bereits fünfeinhalb Jahre später zog sie ins Parlament ein, zehn Monate später war sie Ministerin. Nach dem Wahldesaster 2005 legte sie als Frontfrau richtig los: Aus der zunächst widerwilligen Chefin einer umstrittenen Minderheitsregierung wurde eine souveräne Landesmutter, die sich trotz wackelnder Mehrheiten nicht an dem Klein-Klein des Parlaments-Alltags hat zerreiben lassen.

Krafts Stärke ist, ausgleichen und vermitteln zu können. Sie ist keine Polarisiererin und Polemikerin. Mit dem Slogan "NRW im Herzen" und der Currywurst in der Hand vermittelte sie eine Wärme, die ihrem Kontrahenten ebenso abging wie den eher technokratischen Kontrahenten an der Parteispitze in Berlin. Insofern könnte sie der Kanzlerin durchaus gefährlich werden. Sie ist herzlicher als Merkel, ihr aber in der Umarmungsstrategie nicht unähnlich. Dennoch wird sie mit aller Kraft versuchen, sich aus dem Duell mit ihr in Berlin fernzuhalten. INGO HASEWEND






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