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Zuletzt aktualisiert: 14.05.2012 um 13:27 UhrKommentare

Nanni, Moretti, Jury-Präsident in Cannes, im Portrait

Nanni Moretti ist 2012 in Cannes nicht Starter, sondern Präsident der Festival-Jury.

Nanni Moretti

Foto © APANanni Moretti

Sein jüngster Film führt in den Vatikan. "Habemus Papam" heißt die Komödie um einen Papst, der nicht Papst sein will. Regisseur Nanni Moretti schlüpft in die Rolle eines Psychotherapeuten, der den unwilligen Petrus-Nachfolger (Michel Piccoli) motivieren soll.

Therapeutische Elemente finden sich in den Filmen des Italieners immer wieder. Das Ziel der cineastischen "Sitzungen" ist fast immer ein doppeltes: ein privates und ein gesellschaftliches. Von seinem ersten Langfilm "Ich bin ein Autarkist" (1976) an richtet der in Bruneck geborene Römer (die Eltern machten in Südtirol Urlaub) den Blick auf sich und die politische Landschaft seiner Heimat, den Katholizismus eingeschlossen.

In "Caro diario" (1993) ist er auf der Vespa dem toten Pasolini auf der Spur und seiner eigenen Krebserkrankung. In "Aprile" (1998) freut er sich über die Geburt eines Sohnes und die Abwahl von Silvio Berlusconi. Silvia Nono, seine Frau, und Nuria Nono Schönberg, Schwiegermutter, Witwe Luigi Nonos und Tochter Arnold Schönbergs, haben Auftritte in diesem optimistischen Porträt eines Aufbruchs.

Silvio Berlusconi, der in "Aprile" voreilig abgeschrieben wird, bleibt für Moretti Grund für Zorn - und künstlerische Höhenflüge. 2006 dreht er "Il caimano" ("Der Italiener"). Eine höchst erfolgreiche Komödie um ein Filmprojekt um Berlusconis Machenschaften. Moretti lässt es sich nicht nehmen, das Titelreptil (niemand anderes als der Commendatore ist gemeint) selbst zu spielen.

Eine spezielle Liebe hegt Moretti für Wien. Das drückt sich unter anderem darin aus, dass seine Produktionsfirma Sacher Film heißt, das von ihm und seinem Ko-Produzenten Angelo Barbagallo betriebene Kino in Roms Largo Ascianghi 1 Cinema Nuovo Sacher.

"Habemus Papam" lief im Vorjahr in Cannes im Wettbewerb, erntete Applaus, aber keinen Preis. Den Preis für die Beste Regie gab es dort 1994 für "Caro diario", eine Goldene Palme konnte er 2001 für "Das Zimmer meines Sohnes" in Empfang nehmen. Ab Mittwoch ist der bekennende Agnostiker ("Ich bedaure, dass ich nicht glaube") Präsident der Festival-Jury.

WALTER TITZ





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