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Zuletzt aktualisiert: 06.05.2012 um 21:03 UhrKommentare

François Hollande, Präsident Frankreichs, im Porträt

Parteigenossen belächelten ihn, jetzt ist er Präsident Frankreichs.

Foto © Reuters

Es gab einen Schlüsselmoment in der Bewerbung von François Hollande um die Präsidentschaft Frankreichs. Auf den letzten Metern, beim TV-Duell gegen den Amtsinhaber Nicolas Sarkozy, setzte er vor 18 Millionen Fernsehzuschauern zu einer dreiminütigen Tirade an, die jetzt schon Kultstatus im Internet hat. "Ich, als Präsident der Republik, werde in jedem Moment ein vorbildliches Verhalten an den Tag legen", erklärte er. 15 Mal setzte er an zu diesem "Ich, als Präsident...", um das Sarkozy-Gegenbild aufzuzeichnen, das er abgeben würde, wenn die Franzosen ihm ihr Vertrauen schenken: demütig, unbestechlich, gerecht.

Jetzt ist Hollande Präsident der französischen Republik. Und das ist durchaus eine Überraschung. Als Hollande vor mehr als einem Jahr seine Kandidatur bekannt gab, wurde er belächelt für die Ankündigung, ein "normaler" Präsident sein zu wollen. Seine Chancen galten als gering, der 57-Jährige als sympathisch, aber uncharismatisch, zu zögerlich. Genossen verspotteten ihn, der Parteilinke Arnaud Montebourg als "Flamby", nach dem Namen einer Puddingmarke. Hollande galt als Mann der zweiten Reihe, der der direkten Konfrontation aus dem Weg geht und lieber Kompromisse sucht. Nach seinem Studium, wo er auch Ségolène Royal kennenlernte, seine langjährige Lebensgefährtin und Mutter seiner vier Kinder, wurde Hollande Wirtschaftsberater des späteren Präsidenten Mitterrand.

In Folge beschritt er den Weg des Lokalpolitikers, 2001 wurde er Bürgermeister des Städtchens Tulle. An seiner Parteikarriere baute er, ohne je ein Ministeramt zu bekleiden. Privat ist er seit fünf Jahren mit der Journalistin Valérie Trierweiler ("Die Frau meines Lebens") liiert. Optisch ist Hollande seitdem nicht mehr wiederzuerkennen: Er hat abgenommen, trägt Maßanzüge, trainierte sich eine staatstragendere Gestik an. Zu dieser Arbeit an der "präsidialen" Statur gesellte sich Glück - erst als der ehemalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert wurde und als Favorit für die Kandidatur der Sozialisten ausfiel, schlug Hollandes Stunde. "Ich, als Präsident der Republik..." - das kann er nun mit Fug und Recht behaupten.

BIRGIT HOLZER

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