Sarah Wiener, Spitzenköchin, im Porträt
Die Köchin Sarah Wiener ist Österreichs Feinschmeckerin des Jahres.

Foto © APSarah Wiener
Auf ihrer äußerst bunten Homepage gibt es eine animierte Seite, auf der sprudeln auf einem gezeichneten Marktstand die Münzen nur so aus der Kasse. Wahrlich ein Bild mit Symbolcharakter, denn auch im echten Leben mauserte sich die Köchin Sarah Wiener von der alleinerziehenden Sozialhilfeempfängerin zur Millionärin.
17 Jahre war sie alt, da verließ die Tochter des großen Wiener Schriftstellers und Jazzmusikers Oswald Wiener und der bildenden Künstlerin Lore Heuermann das Mädcheninternat, trampte durch Europa, schlug sich durch mit Gelegenheitsjobs und lebte schließlich, inzwischen 24, nahezu mittellos mit ihrem Sohn in Berlin. Und plötzlich ging alles recht rasch im Leben der heute 49-Jährigen, die weder über einen Schulabschluss noch über eine Berufsausbildung verfügt. Erst jobbte sie als Kellnerin im "Axbax", dann werkte sie in der Küche des "Exil", beides Lokale, die ihrem Vater gehörten. Im "Exil" fertigte sie Backwerk und Kuchen - die Grundlagen ihres ersten eigenen Unternehmens: Sarah Wieners Mehlspeisen.
1990 schließlich, nachdem sie ein Abendessen für eine Reihe von Künstlern gekocht hatte, gründete Wiener das Ein-Frau-Unternehmen "Sarah Wieners Tracking Catering". "Die Schauspielerin Tilda Swindon hat mich drauf gebracht", erinnert sich Wiener. "Die wollte, dass ich bei ihrem nächsten Film das Team am Set kulinarisch versorge."
Wiener nahm einen Kredit auf, kaufte einen ausrangierten Lastwagen der früheren Nationalen Volksarmee, dazu Geschirr vom Flohmarkt und startete eine einzigartige Karriere. Insgesamt beschäftigt die Frau des deutschen Schauspielers Peter Lohmeyer heute 160 Mitarbeiter, nennt in Berlin drei biozertifizierte Lokale ihr Eigen sowie die Gastronomie im Mercedes Benz-Museum in Stuttgart. Und ihr Name - Sarah Wiener - ist längst als Marken-name geschützt.
In ihrer früheren Heimat Wien wurde sie gestern Abend im Vierhaubenrestaurant "Steirereck" der Familie Reitbauer vom Lokalführer "Gault Millau" zu "Österreichs Feinschmecker des Jahres" geadelt. Und das ließ sie sich in sehr illuster Runde munden.
ACHIM SCHNEYDER





