Agnes Heller, Philosophin, im Porträt
Die Philosophin Agnes Heller erhält den Concordia-Ehrenpreis.

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Warum bekommt eine Philosophin einen Preis für Pressefreiheit? Agnes Heller hat den Ehrenpreis des Presseclubs Concordia erhalten, weil sie sich immer eingemischt hat. Zuletzt legte sich die Ungarin mit Ungarns Ministerpräsidenten Victor Orban. Auf ihre Kritik am neuen Mediengesetz reagierte Orbans Partei mit einer Kampagne gegen die angesehene Denkerin. Geld der EU habe sie veruntreut. Beweisen ließ sich nichts.
"Angst ist eine schlechte Motivation", sagt Agnes Heller heute. Es schien immer schon ihre Devise zu sein. Mutig war sie aus dem Zug deportierter Juden in Budapest ausgeschert und mit der Straßenbahn entkommen. Mutig war sie nach dem Ende des Aufstands 1956 in Ungarn geblieben, weil sie ihre Heimat nicht verlassen wollte, bloß weil die Diktatur zurückgekehrt war.
Philosophin sollte sie werden oder Komponistin, fand ihr Vater, ein Budapester Rechtsanwalt. Warum? "Weil es das Absurdeste für ein Mädchen ist, und ich möchte, dass Du das Absurdeste wirst."
Die Anziehungskraft des Philosophen György Lukács brachte Agnes Heller tatsächlich auf diesen Weg. Bald war sie Assistentin des angesehenen marxistischen Denkers. Zweimal flog sie später aus der kommunistischen Partei, weil ihr Denken sich nicht an die von der Partei definierten Grenzen halten wollte.
Die Ideologien und -ismen, denen sie einst anhing, hat sie weit hinter sich gelassen. Alle großen Gedanken gehen für sie von Alltagsproblemen aus. Viele der Warum-Fragen, die sie ihr Leben lang umtreiben, haben mit dem Holocaust zu tun, dem sie knapp entronnen ist. Wie konnte das passieren? Wie konnten Menschen so etwas tun? "Deshalb musste ich herausfinden, worum es geht bei der Moral und was die Natur von Gut und Böse ist."
Als wollte Agnes Heller die ehren, die ihr den Preis zuerkannten, definierte Agnes Heller im österreichischen Parlament die Gemeinsamkeit zwischen Journalisten und Philosophen. "Wir können nicht lügen, ohne unsere Ehre zu verlieren. Und wir können nicht schweigen, ohne die Ehre zu verlieren." Ein hoher Anspruch. THOMAS GÖTZ





