Zeruya Shalev, Israels berühmteste Autorin, im Porträt
Zeruya Shalev ist 2004 bei einem Bombenattentat in Israel nur knapp dem Tod entkommen. Die Zerrissenheit ihres Landes spiegelt sich auch in der Zerrissenheit ihrer Romanfiguren.

Foto © APAZeruya Shalev
Israelische Autoren haben in einem Brief an die internationale Schrifstellervereinigung PEN eine Verurteilung der Äußerungen des deutschen Literaturnobelpreisträgers Günter Grass in dessen israelkritischen Gedicht gefordert. Grass habe die literarische Sphäre dazu missbraucht, Israel als Gefahr für den Weltfrieden darzustellen.
"Im Ernstfall muss ich dort sein"
Auch die israelische Schriftstellerin Zeruya Shalev, die sich selbst gegen einen israelischen Angriff auf den Iran positionierte, wirft Grass vor, auf bedrohliche Weise die Lage zu verkennen, da vom Iran eine riesige Gefahr ausgehe. Die 53-Jährige tut sich in diesen Tagen schwer, ihr Land zu verlassen. In der NZZ erklärte die dreifache Mutter, dass sie sich davor fürchte, dass Premier Netanyahu während ihrer Abwesenheit den Befehl für einen Angriff auf den Iran geben könnte. Sie liebe ihr Land, manchmal hasse sie es. "Aber im Ernstfall muss ich dort sein. Man geht ja nicht fort, wenn jemand krank ist", sagte sie.
Dem Tod nur knapp entronnen
Obwohl Shalev 2004 bei einem Bombenattentat in Israel nur knapp dem Tod entkommen ist, ihr Knie zertrümmert wurde, und sie monatelang ans Bett gefesselt war, unfähig, zu reden, unfähig zu schreiben, hängt sie sehr an ihrem Land und seinen Menschen, wie sie einmal erklärte. Die Zerrissenheit ihres Landes spiegelt sich auch in der Zerrissenheit ihrer Romanfiguren. Ihre Bücher handeln nie vom Glück, das für die Bibelwissenschaftlerin nicht das Wesentliche im Leben ist. Sie findet es wichtiger, dem Leben Bedeutung zu geben - womit sich doch Glück einstellen kann. Der Blick der Menschenforscherin ist intensiv und intelligent.
Die dreifache Mutter, die in dritter Ehe mit dem israelischen Autor Eyal Megged verheiratet ist, beschreibt in ihrem jüngsten Roman "Für den Rest des Lebens" die elementaren Kräfte, die sich zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern abspielen. Und man fragt sich unweigerlich: Wenn das Zusammenleben schon so schwer für eine Familie ist, wie sollte es für zwei Nationen möglich sein?





