Martin Balluch, Tierschutzaktivist, im Porträt
International geehrter Staatsfeind.

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Jahrelange Ermittlungen, 105 Tage in Haft, davon 39 im Hungerstreik. Und eine Gerichtsverhandlung, die sich über 14 Monate erstreckte: Das sind Eckpfeiler des so genannten Tierschützer-Prozesses, der bis zu den Freisprüchen im Mai 2011 Justiz, Politik und Öffentlichkeit beschäftigte. Und in dessen Mittelpunkt Martin Balluch stand, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken und damals einer von 13 Angeklagten.
Jahrelang also galt der promovierte Physiker und Philosoph den Behörden als Gründer und Mitglied einer kriminellen Organisation, der militanten internationalen "Animal Liberation Front". Möglicherweise dachte Balluch am 30. Jänner 2012 wieder an den 21. Mai 2008, als er zu Hause von Beamten einer Spezialeinheit abgeholt wurde. Oder an den 23. Mai 2008, als er seinen Hungerstreik begann.
Am 30. Jänner 2012 im Theatre de l'Odeon in Paris stand der Tierrechtsaktivist im Scheinwerferlicht und erhielt den neu geschaffenen Myschkin-Preis im Bereich Kultur und Ethik überreicht. Dahinter steht ein internationales Komitee, dem unter anderem der Medientheoretiker Peter Weibel und der Philosoph Peter Sloterdijk angehören. Zu den weiteren Preisträgern der mit insgesamt 50.000 Euro dotierten Auszeichnung zählt auch Stephane Hessel ("Empört Euch!").
Ein Motto, dem Balluch bereits als Jugendlicher folgte. Mit 13 Jahren nahm er an einer Kampagne gegen Atomkraftwerke teil, im Jahr darauf nahm ihn erstmals die Polizei fest. Eine Erfahrung, die er in über drei Jahrzehnten als Umwelt- und Tierschutzaktivist weitere 24 Mal machen sollte.
Myschkin ist der Titelheld von Dostojewskis Roman "Der Idiot", ein ehrlicher, großmütiger Fürst, der das Gute in den Menschen sieht. Die Ehre des Myschkin-Preises stelle den Verantwortlichen seiner Anklage ein "denkbar schlechtes Zeugnis" aus, hätten sie ihn doch zum Staatsfeind stilisiert, meinte Balluch. "Zutiefst berührt, dass unsere Arbeit so ihre Anerkennung findet", schlug der Veganer auch versöhnliche Töne an: "Es gibt nur wenige Bereiche, in denen Österreich eine Vorreiterrolle hat. Tierschutz ist einer davon." HANNES GAISCH
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