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    Zuletzt aktualisiert: 23.01.2012 um 20:30 UhrKommentare

    Anton Schlecker, Drogeriekettenbesitzer, im Porträt

    Geschäftsmann mit Fleischer und Blut.

    Foto © APA

    Es eilt den Schwaben der Ruf voraus, ihr ausgeprägtestes Körperteil sei der Geizkragen. Wer Bestätigung für diese Flüsterpropaganda sucht, wird im schwäbischen Ehingen bei Anton Schlecker fündig. Wobei, finden wird man ihn nicht so leicht, den Drogeriekönig (dessen blau-weißer Namenszug sich bis in die unscheinbarste Nebenstraße des kleinsten Seitendorfes erstreckt). Denn die Villa des Familienoberhauptes ist durch Stacheldraht und Kameras vor allzu neugierigen Blicken geschützt.

    Ja, Anton Schlecker lebt mit seinem Clan noch immer dort, wo 1965 alles begonnen hat. Als er mit 21 Jahren als jüngster Fleischermeister Deutschlands im elterlichen Fleischerbetrieb begann, parallel dazu aber bereits den ersten Gemischtwarenhandel eröffnete. Das Schwaben-Credo "Schaffe, schaffe, Häusle baue" setzte Schlecker ab 1975 so richtig in die Tat um. Da eröffnete er den ersten Diskont-Drogeriemarkt, zwei Jahre später waren es 100 Filialen, und nur neun Jahre nach der ersten wurde die 1000. Geschäftsstelle eröffnet. Die rasante Expansion konnten selbst permanente Wickel mit der Gewerkschaft (sie werfen Schlecker häufig Knausrigkeit, Kontrolldrang und Lohndumping vor) nicht aufhalten. Schlecker wurde Nummer eins in Deutschland und Österreich, am Zenit waren es europaweit 10.000 Filialen mit 50.000 Mitarbeitern.

    Doch seit einigen Jahren schreibt Schlecker im Mutterland Deutschland Verluste. Es half auch nichts, dass seit 2010 die Kinder Lars und Meike am Ruder sind und versuchten, selbiges herum zu reißen. Trotz völliger Trendumkehr in der Informations- und Image-Politik schafften sie die wirtschaftliche Erholung nicht und meldeten am 23. Jänner 2012 Insolvenz an. Jetzt soll es Familienoberhaupt Anton Schlecker wieder richten. Das fordern zumindest die Gläubiger, zumal der Sportwagensammler laut "Forbes" 2010 noch ein Privatvermögen von 3,1 Milliarden Dollar aufwies. Dass der Fleischermeister aber das Pokern im Blut hat, müssten die Gläubiger schon seit 1987 wissen: Als seine Kinder entführt wurden, soll Schlecker selbst das Lösegeld für die Erpresser von 18 auf 9,6 Millionen D-Mark (4,8 Millionen Euro) heruntergehandelt haben. ULRICH DUNST






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