Recep Tayyip Erdogan, türkischer Premier, im Porträt
Spekulationen über Gesundheit des türkischen Premiers Erdogan (57).

Foto © Reuters
Wenn der Chef fehlt, läuft der Betrieb nicht mehr rund. Seit sich Recep Tayyip Erdogan am 26. November einer Darmoperation unterzog, ist bei der sonst fast geräuschlos funktionierenden Regierung in Ankara viel Sand im Getriebe. Zweimal musste die wöchentliche Kabinettssitzung abgesagt werden. Dabei hatte die Regierung angekündigt, Erdogan werde rechtzeitig zur Ministerrunde wieder auf dem Posten sein. Mittlerweile ist der machtbewusste Premier offenbar wieder fit genug, um Syrien zum Gewaltverzicht aufzurufen.
Doch Erdogans Fehlen heizte Spekulationen über die Schwere seiner Erkrankung an - und über die Zukunft der Regierung, die wegen Erdogans Allmacht von Kritikern als Ein-Mann-Show bezeichnet wird. Seit seinem Amtsantritt im März 2003 beherrscht der 57-Jährige die politische Szene in Ankara wie kaum ein anderer Regierungschef vor ihm. Die Minister seiner Regierungspartei AKP verdanken ihre Posten allein dem Wohlwollen des Premiers. Erdogan selbst hat mehr und mehr Befugnisse an sich gezogen - das Delegieren von Aufgaben gehört nicht zu seinen Stärken: Die Kabinettssitzung wurde abgesagt, obwohl er vier Stellvertreter hat. Beinahe jede Initiative eines Ministers wird mit der Einschränkung versehen, das letzte Wort habe Erdogan.
Der nicht angekündigte "gastrointestinale Eingriff" mit Hilfe moderner Mini-Instrumente sei erfolgreich verlaufen, Erdogan erhole sich in seiner Istanbuler Wohnung, teilte die Regierung nach der Operation mit. Weitere Details gab es keine. Die Geheimnistuerei ließ in den Medien den Verdacht aufkommen, Erdogan habe womöglich Krebs. In anderen Berichten hieß es, bei Erdogan seien Darmpolypen entfernt worden, doch der Krebsverdacht habe sich nicht bestätigt.
Das Gerangel um Erdogans Nachfolge hat aber bereits vor seiner Operation begonnen und hängt vor allem mit der spätestens 2014 anstehenden Neuwahl des Staatspräsidenten zusammen. Die ganze Türkei geht davon aus, dass sich Erdogan zum Staatsoberhaupt wählen lassen will; eine erneute Kandidatur für das Parlament hat er ausgeschlossen.
Features
Artikel zum Thema
- Recep Tayyip Erdogan: Der Sultan von Ankara
- Recep Tayyip Erdogan, türkischer Regierungschef im Porträt
- Recep Tayyip Erdogan, türkischer Premier, im Porträt
- Erdogan: "Israel ist ein terroristischer Staat"
- "Mental unausgeglichen“: Erdogan kritisiert EU-Parlament
- Urteil im AKP-Prozess wahrscheinlich bis Freitag
- Zwei Helden für einen Tag
- Erdogan wirft den Europäern Terror-Unterstützung vor
- Türkei: Prozess gegen Verschwörergruppe
- Kritik an EU: Türkei akzeptiert keine "halbe Mitgliedschaft"
- Türkei: Rückkehr zur Todesstrafe?
- Erdogan festigt seine Macht
- Erdogan wirbt bei Landsleuten für Integration
- Erdogan sagt Assad ein Ende wie Mubarak voraus
- Türkei: Stabile Regierung, buntes Parlament, große Aufgaben
- Ankara "spricht mit dem Teufel"
- 52 Millionen Türken wählen heute
- Türkei nach Rücktritt der Militärspitze unter Schock
- Sucht Ankara die Konfrontation?
- 50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen - Festakt in Berlin





