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Zuletzt aktualisiert: 27.11.2011 um 20:30 UhrKommentare

Das Kyoto-Protokoll: Ein Traum wird zum Albtraum

Das Kyoto-Protokoll, geboren 2005, liegt im Sterben. Ein Resumée.

Foto © APA

Vor 14 Jahren bin ich gezeugt worden. 1997 war es, und ich ein hehres Vorhaben. Mit mir wollten die Menschen die Welt retten. Bis 2005 musste ich ausgetragen werden, bis ich dann endlich zur Welt kam und für alle Unterzeichnenden verbindlich war. Ich bin das Kyoto-Protokoll.

Ich wurde mit hohen Erwartungen geboren: Die Menschheit, ja gar die Milliarden Jahre alte Welt sollte ich retten, vor dem Ersticken an ihren eigenen Gasen. Schon bald stürzte ich aus der Höhe dieses hehren Vorhabens ab in die Niederungen der Realpolitik. Umweltschützern war ich von Anfang an nicht gut genug, auch der Wirtschaft war ich nicht lieb - nur zu teuer.

Bis vor Kurzem konnte mich nur steigende Akzeptanz auf der ganzen Welt aufrecht halten. Die anhaltende Schmähung der USA hat mich zwar immer gekränkt, doch noch bis zum Anfang dieses Jahres haben sich andere Länder verpflichtet, mich einzuhalten. 191 sind es jetzt.

Doch schon 2009 begann der Herbst meines Lebens und ich musste einige schwere Rückschläge einstecken. Damals begannen die Beratungen über meine Fortführung und ich konnte schnell spüren, dass das Engagement enden wollend war. Man warf mir vor, die wahren Klimasünder gar nicht zu erreichen. Vor wenigen Wochen dann der Schlag, der mich aufs Krankenbett niederstreckte: Der Leiter des UNO-Klimasekretariats erklärte mich bereits für tot.

Seitdem mache ich mir Gedanken darüber, was wohl nach meinem Ende auf mich wartet. Ich will mich nicht beschweren, sechs Jahre sind ein hohes Alter in einem zukunftsorientierten Bereich. Aber ich frage mich, ob ich auf dieser Welt Spuren hinterlasse? Oder werde ich in Vergessenheit geraten? Werde ich nächsten Sommer, wenn mein Ablaufdatum gekommen ist, doch noch wiedergeboren? Oder werden sie einen Erben finden, der würdiger ist die Welt zu retten, als ich es vielleicht jemals sein konnte?

Bisher sieht es düster aus. Einige große Verursacher des Klimaproblems sind immer noch nicht bereit, Geburtshelfer für meinen Nachfolger zu sein. PROTOKOLL: CAROLINE MEMPÖR






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