Guido Westerwelle, deutscher Außenminister, im Porträt
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (50) hat seine einstige Strahlkraft verloren.

Foto © Reuters
Auf "ganz hohen Bergen" sei er gestanden und durch "manches sehr tiefe Tal" geschritten - Guido Westerwelle ist Extreme gewohnt, das war seine Botschaft im vorigen Sommer. Da hatte der damalige FDP-Parteichef noch nicht gewusst, dass das tiefe Tal kein Ende nehmen würde.
Das war vor zwei Jahren ganz anders. Der Jubel war gewaltig, Westerwelle ihr Star: Am Abend des 27. Septembers 2009 feierten die Liberalen ihren Vorsitzenden. Die FDP hatte mit 14,6 Prozent bei der Bundestagswahl ein Rekordergebnis eingefahren - und das war zum Großteil Westerwelles Verdienst. Er selbst war freilich auch aus dem Häuschen: "Wir wollen Deutschland mitregieren!", rief er euphorisch.
Die Euphorie war schnell vorüber. Der Heilsbringer wurde zum Buhmann der Partei. Drei Monate nach der Wahl kam die FDP nur noch auf zehn Prozent. Und es ging weiter bergab. Der Außenminister fand keine Linie, war hölzern, polterte wie ein Oppositionspolitiker. Steuersenkung hatten die Liberalen während des Wahlkampfs versprochen. Wann aber würden die Senkungen kommen? Es rumorte intern.
Die Liberalen "doktern" etwas herum, eine "mutige Reformpartei" seien sie gerade aber nicht mehr: Das erklärte nach nicht einmal einem Jahr in der Regierung der FDP-Generalsekretär im Saarland und forderte - nicht als einziger - den Rücktritt des Parteichefs. So sollten die Wähler wieder Vertrauen bekommen.
Doch auch als sich Westerwelle im Frühjahr nach langem Hin und Her dazu entschloss, half das nicht: "Die Bürger sahen ihn weiter als Parteipolitiker - und eben nicht als Fachmann für die Außenpolitik, der über den Streitfällen der Innenpolitik steht", sagt Politwissenschaftler Gerd Langguth. Außerdem habe Westerwelle als Außenminister "gepatzt". Für seinen Libyen-Kurs wird er hart kritisiert. Doch dass er auch als Außenminister nicht weitermachen soll, das will die FDP-Spitze nicht: Für einen Rücktritt gebe es, so Parteichef Philipp Rösler, "keine Notwendigkeit". Zuvor aber hatte Westerwelle der Nato für den Einsatz in Libyen Respekt gezollt - wie es Rösler vom Ex-Chef verlangt hat.
CHRISTINE ZEINER, BERLIN
Features
Zum Thema
- Wer die Türkei bestraft, bestraft auch die Jugend
- Wieder Tausende am Taksim-Platz
- Westerwelle zu Besuch in Afghanistan
- Eine heikle Mission für Österreich
- Premier Milanovic ist um Image Kroatiens besorgt
- Syrische Reaktion auf israelischen Angriff möglich
- Jüdischer Weltkongress beginnt Tagung in Budapest
- Angeblich Beweise für Chemiewaffeneinsatz
- Israel erhöht den Druck auf Obama
- Syrische Opposition bekommt mehr Geld
- Außenminister beraten über Syrien
- Peer Steinbrück zieht den Kampfanzug an
- Nordkorea legt eine Pause ein
- Ausländische Botschafter weigern sich zu gehen
- Türkei erhöht Druck im Streit um Neonazi-Prozess
- Nordkorea im "Kriegszustand" mit Südkorea
- USA trainieren syrische Rebellen
- Deutschland: Reformkurs muss fortgesetzt werden
- Europa sorgt sich nach Italien-Wahl um den Euro
- 200.000 kostbare Dokumente in Timbuktu gerettet





