Glasnost und Perestrojka: Michail Gorbatschow im Porträt
Michail Gorbatschow hat die Welt verändert.

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So vieles in seinem Leben ist nicht verlaufen, wie er es sich gewünscht hätte, und doch hat sich Michail Gorbatschow das Interesse am Gang der Dinge immer bewahrt. Mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 traf ihn politisch der schwerste Schlag. Privat drohte ihm das Herz zu brechen, als 1999 seine Frau Raissa an Leukämie verstarb. Gorbatschow hat die ganze Welt verändert. Allerdings ungeplanterweise. Er wollte die Sowjetunion reformieren; auflösen wollte er sie nicht.
Glasnost und Perestrojka (Offenheit und Umbau) sind die Schlagworte, die für immer mit dem Mann mit dem markanten Feuermal auf der Stirn in Verbindung bleiben werden. Im März 1985 war der studierte Jurist an die Spitze der Sowjetunion getreten. Er sah, dass das kommunistische Riesenreich nach Jahren der politischen Starre und des teuren Wettrüstens neue Impulse brauchte. Mehr Eigeninitiative sollte die Planwirtschaft beleben; die Öffnung den Sowjetbürgern mehr Freiheit bringen.
Die Freiheit wuchs tatsächlich; kommunistische Untaten wurden ans Licht gebracht. Doch gleich beim ersten großen Test, der Atomkatastrophe von Tschernobyl, versagte Gorbatschows Glasnost. Über Tage wurde sie totgeschwiegen. Den Gewalteinsatz in der Blutnacht in Vilnius 1991 hat er nicht verhindert. Die Wirtschaftsreformen brachten nicht den erhofften Erfolg, die Republiken begehrten auf, Partei und Militär wehrten sich gegen Veränderung und Machtverlust. Letztlich führte dies zum Putsch der Konservativen, der das Ende der Sowjetunion einläutete, das viele Landsleute Gorbatschow bis heute anlasten.
Im Westen war und ist man Gorbatschow aber bis heute dankbar für seinen Entschluss, den Ost-West-Gegensatz und den Kalten Krieg zu überwinden. Mit seinem Außenminister Eduard Schewardnadse leitete er eine neue Abrüstungspolitik ein; er gab den Warschauer-Pakt-Staaten ihre Souveränität zurück, ermöglichte den Fall der Berliner Mauer und die deutsche Wiedervereinigung. Das war weit mehr, als er sich ursprünglich gewünscht hatte. Aber Gorbatschow hat zugelassen, was er nur mit massiver Gewalt hätte verhindern können.
NINA KOREN
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