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    Zuletzt aktualisiert: 07.08.2011 um 20:30 UhrKommentare

    Christian Wehrschütz, ORF-Urgestein, im Porträt

    Christian Wehrschütz (49) rittert am 9. August 2011 mit um die Führung des ORF.

    Foto © ORF/Pichlkostner

    Ein Querkopf war Christian Wehrschütz schon immer. Als es in seinem Milieu ganz und gar inopportun war, trat er der FPÖ Jörg Haiders bei. Dort aber war ihm die "Führerattitüde" bald zuwider. "Dass ich nicht früher ausgetreten bin, war wegen der Gegner". Klein beizugeben auf äußeren Druck, der im ORF, wo Wehrschütz 1991 anfing, wohl nicht gering war, ist seine Sache nicht. 2002, als die FPÖ regierte, war es dann genug.

    Auch sein Studium hat er mit Widerstandsgeist gewählt. Um die Logik des Kalten Kriegs zu unterlaufen, studierte er neben der Juristerei noch die Sprache des Gegners: Russisch. "Ich wollte mich nicht manipulieren lassen", sagt er. Die Liebe zu Dostojewskis Romanen und zu den Chansons von Wladimir Wyssozki und des Kommunisten Bulat Okudschawa tat ein Übriges.

    Heute spricht er neben Russisch noch Ukrainisch, Serbisch, Slowenisch, Englisch, Französisch, dazu ein bisschen Albanisch und mazedonisch. In den neun Balkanländern, die der Grazer als Korrespondent betreut, kann ihm also keiner etwas erzählen, was er nicht verstünde.

    Der Fan der Science-Fiction-Hefte Perry Rhodan orientiert sich an hehren Vorbildern: Otto von Bismarck, der Deutschland geeint hat, Michael Gaismair, der Tiroler Bauernführer, Robert Blum, Revolutionär von 1848 und Graf Stauffenberg, der Hitlerattentäter. Aus Liebe zu Kant trägt eine seiner Töchter den Namen Immanuela. Musikalische Vorlieben reichen von Jazz bis Richard Wagner, vor allem, wenn Otto Schenk inszeniert. Da reist die Familie auch bis New York.

    Wehrschütz weiß, dass er gegen den amtierenden Alexander Wrabetz chancenlos ist. Er kandidiert, "um den häuslichen Frieden zu erhalten". Wenn er schon den ORF in Gefahr sehe, dann solle er gefälligst etwas dagegen tun, meinte seine Frau Sissi. "Die Welt wird immer komplexer, die Nachrichten immer kürzer". Absurd sei das, meint Wehrschütz und fordert mehr Außenpolitik, gute Wissenschaftssendungen und eine Stärkung der Landesstudios. "Dort funktioniert die Bindung an die Hörer und Seher noch." Und am Mittwoch ist er dann wieder zurück, am richtigen Balkan.

    THOMAS GÖTZ





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