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Zuletzt aktualisiert: 26.07.2011 um 11:08 UhrKommentare

Jill Abramson, Chefredakteurin der New York Times, im Porträt

Jill Abramsone ist die erste Frau, die eine große US-Zeitung leitet.

Foto © AP

Jill Abramson übernimmt im September 2011 die Chefredaktion der New York Times. Vorbereitet hat sie sich darauf aber ihr ganzes Leben. "Die Times war bei uns zu Hause der Ersatz für Religion", sagte sie, als Verleger Arthur Sulzberger Jr. die Wahl bekannt gab. Sie nennt den Posten "Walhalla", nicht ohne Grund: Adolph Ochs, der das Blatt 1896 gekauft hatte, verbot seiner Tochter Iphigenie, Reporterin zu werden, erst Schwiegersohn Arthur Hays Sulzberger stellte 1936 die erste Redakteurin ein.

Abramson ist zäh - als sie vor Jahren vom Lastwagen angefahren wurde, koordinierte sie vom Krankenbett aus die Berichte über Rupert Murdoch. Sie trägt ein New Yorker Subway-Token als Tätowierung auf der Schulter. Die 57-Jährige wurde in New Yorks Upper West Side geboren, in einem liberalen jüdischen Elternhaus. Ihr Vater, ein Hutmacher, verpasste damals eine Chance. "MGM-Gründer Samuel Goldwyn hat ihm angeboten, in sein neues Filmstudio einzusteigen, aber mein Vater hat das abgelehnt. Er sagte, bewegte Bilder seien bloß eine vorübergehende Mode, aber Damen tragen immer Hüte", erzählt sie.

Die zierliche Frau wollte nichts verpassen. Sie ging nach Harvard, fing bei NBC an, arbeitete für juristische Fachzeitschriften, darunter Brill's Magazine, das sie mit 31 Jahren leitete, und ging zum Wall Street Journal, wo sie zur Vizechefin in Washington aufstieg. 1997 wechselte sie zur Times, zunächst als investigative Reporterin und dann Büroleiterin in Washington, als die USA in den Irakkrieg zogen, und die Times von Massenvernichtungswaffen schrieb. Zuletzt hat sie den Online-Auftritt entwickelt.

Die Online-Ausgabe wird sie weiter ausbauen. Zwar hat sich die Times vom Tiefpunkt 2010 erholt, als rund hundert Redakteure entlassen wurden, und der mexikanische Milliardär Carlos Slim Helu in der Not helfen musste. Aber große Gewinne schreibt sie noch nicht. Eines wird Abramson anderes machen als Vorgänger Bill Keller: Der hatte die Blogger-Königin Arianna Huffington als Feindin bezeichnet. Das würde Abramson nie offen sagen.

EVA SCHWEITZER





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